Larissafuchs
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Hallo ihr Lieben,
ich komme mal direkt zu meiner Geschichte und zu meiner Frage.
Meine Geschichte:
Ich (w30) habe letztes Jahr im Januar meinen heutigen Ex-Freund (m28) kennengelernt. Am 28.05. war die Trennung.
Zusammenkommen:
Er schrieb mich über Instagram an und erzählte mir, er käme aus der Schweiz zu mir in die Großstadt nach Deutschland zum Musik produzieren für 3 Monate mit seinem Kumpel. In diesem Zeitraum lernten wir uns kennen. Ich machte mir keine großen Gedanken, da ich wusste, dass er ja wieder bald heimreisen würde. Und auf eine Fernbeziehung wollte ich mich nicht einlassen. Wir gingen oft in Bars und Cafes, hatten wahnsinnig tolle Gespräche und Momente, viele Gemeinsamkeiten und Interessen. Ich blieb anfangs dennoch sehr vorsichtig und skeptisch, da ich aus einer sehr schwierigen 6-jährigen Beziehung kam. Für den ersten Kuss brauchte es mindestens 1 Monat, es knisterte ziemlich zwischen uns und ich bemerkte, wie viel Mühe er sich gab und es ihm mit mir ernst schien.
Wir ließen uns auf die kommende Fernbeziehung ein. Alles war schön und leidenschaftlich für die ersten 4-5 Monate.
Probleme:
Ich war von Tag 1 offen und ehrlich in der Kommunikation. Damals litt ich noch unter Depressionen und hatte frisch mit meiner Therapie begonnen. Ich hatte zu der Zeit auch keine Hobbys (außer Kraftsport) und keine Arbeit, weil mich der Pflegeberuf komplett ausgebrannt hatte und weshalb ich eine Pause brauchte. Ein paar schwere Themen begleiteten dann irgendwann die gesamte Beziehung..
1. meine Depressionen
2. die Distanz (DE - CH)
3. das häufige Ausgehen und Flüchten. Er ging jedes Wochenende und unter der Woche aus. Ich war subtil eifersüchtig, klammernd
4. Es stellte sich heraus, dass er zusätzlich ein ziemlicher Näheflüchter bzw. Vermeider ist.. (berechtigte) Erwartungen lösten in ihm eine starke Reaktion aus
5. Ich habe eine starke Verlustangst. Ich habe dann den Drang zu überzeugen und alles zu zerreden. Ich reflektiere das und arbeite seit Beginn der Therapie daran und suchte nach Strategien damit umgehen zu können.
Wir führten ein wöchentliches Date-Night ein, sprachen viel über face-time. Aber irgendwie reichte das nicht. Menschlich passte es super. Wenn wir am selben Ort waren, fühlte ich mich auch sichrer und es gab deutlich weniger Konflikte, da liefs viel schöner.
Die Nähe-Distanz-Dynamik wurde zu einem Graus. Ich fühlte mich oft allein gelassen und nicht richtig "verbunden", vielleicht weil er so oft fort ging und flüchtete, oder weil die Gespräche nicht mehr so eine Tiefe nach den Konflikten hatten oder weil ich da eine Lücke in mir nicht füllen konnte, vielleicht und wahrscheinlich alles zusammen..
Eigentlich fand ich es sehr schön an ihm, wenn er so viel unternahm. Mein Gefühl unwichtig zu sein, war natürlich durch meine Umstände und wegen der Ferne noch mehr bestärkt. Irgendwann fing ich an, ihm häufig subtile oder direkte Vorwürfe zu machen, dass er zu oft wegginge, keine Zeit für mich hätte oder weniger Comitment zeige bis ich einsah, dass es größtenteils auch mein Thema war und ich ihn daraufhin um Verzeihung bat und versprach etwas zu ändern. Das veränderte sich nur mühsam.
Es ging mir aber zunehmend besser durch die Therapie, ich machte Fortschritte, bewarb mich für eine Ausbildungsstelle und wurde genommen. Im Herbst beginnt diese.
Meine Depressionen gingen zurück und ich fühlte mich zunehmend stabiler.
Er hingegen zog immer mehr die Distanz vor, war gar nicht mehr bereit sich mit unserem gemeinsamen Thema zu befassen... Wir sprachen halt leider zu oft über die Beziehung bzw die Konflikte, aber auch, weil wir sie nicht richtig lösen konnten, obwohl sie so lösbar waren.
Es wiederholte sich irgendwann zu oft.
Er merkte zeitgleich, dass er wohl selbst viele Baustellen habe, was sich auch in seinen Freundschaften und oder einer eher komplizierten Beziehung zu seinem Vater zeigte.
Nach außen wirkte er immer wie der charmante Strahlemann für andere. Total lebensfroh und gesellig. Für mich eher vieles überspielen und schönreden. Negative Gefühle waren ein absolutes No-go. Als Harmoniestrebend bezeichnete er sich und dass er alles mit sich selbst ausmache. Autonomie war sein Aushängeschild.
Da ich sehr feinfühlig bin und auch viel Therapieerfahrung sammelte, hab ich irgendwann seine Hintergründe verstanden. Er erzählte mir anfangs noch von einer wunderbaren sorglosen Kindheit, was sich später jedoch ganz anders herausstellte, nachdem er mir irgendwann einige traurige Geheimnisse anvertraute.
Seine Beziehungshistorie sah im Gegensatz zu seinem Beziehungswunsch auch eher traurig aus.. Entweder führte er nur Freundschaft-Plus-Verhältnisse, eine on/off Fernbeziehung, in der er die Person vielleicht 2x mal im Jahr sah oder eine inländische on/off-Beziehung, die extrem toxisch verlier. Keine hielt länger als ein Jahr und als es ihm zu viel wurde, ging er. Die anderen waren Schuld, machten zu viel Drama oder seien langweilig, aber er gab auch zu, nie genug Comitment gezeigt zu haben.
Tja. Ich dachte, mit mir würde es sich ganz anders verhalten. Es hieß immerzu "Wir sind ein Team. Und wenn wir 100x da durch müssen, wir schaffen das! Du bist es mir wert!" was sich irgendwann als ein Solo-Spiel herausstellte, obwohl er gut zuhören konnte.
Gegen Ende:
Er betonte immer, mich "auf Händen zu tragen" und mir die "Welt zu Füßen zu legen". Er wich jedoch Konflikten lieber aus, "da ist so viel Schwere immer. Das darf einfach nicht sein."
Trotzdem schafften wir uns jedes Mal dranzusetzen und darüber zu sprechen. Er hörte super gut zu. Und da hörte es dann aber schon wieder auf.
Die Gesten und Mühen schienen zu einem unfassbaren Kraftakt zu werden. Er konnte sich sehr schlecht abgrenzen und allgemein nicht gesund und liebevoll eine Grenze ziehen. Er fühlte sich auch immer extrem verantwortlich für mich, obwohl ich ihn nie um Hilfe bat. Ich machte ihm Angebote, sprach mit ihm. Bspw. mir einfach mitzuteilen, wenn er Raum für sich bräuchte. Er entschied sich dieses Jahr selbstständig für eine Therapie und ging hin, wenn auch nicht regelmäßig.
Gegen Ende wollte er unbedingt meinen Geburtstag organisieren, obwohl ich ihm sagte, dass ich das gern selbst tun würde und das kein Problem wäre. Er bestand sehr drauf, organisierte was Großes zu meinem 30. gemeinsam mit meinen Freunden.. aber da fiel mir schon auf, dass er sich einen riesen Stress machte, vor allem mit dem Geschenk. (Im Nachhinein stellte sich über Freunde raus, dass er gar nicht so viel in die Organisation rein investierte wie er selbst vorgab) Ich versuchte ihm den Druck rauszunehmen, wie auch mit anderen Dingen, und bat ihn, mir nur eine kleine Karte zu schreiben.
Auch die Monate davor geriet er in Zweifel und Ängste bezüglich der Fernbeziehung, dem "weggehen-thema", der damit verbundenen Konflikte und meiner im Herbst beginnenden Ausbildung.. Er hatte so viel Angst um Konflikte, dass er nichtmal mit mir in den Urlaub wollte und vorher andere Gründe vorschob.
Trennung:
-28. Mai - Nun. 4 Tage vor meinem Geburtstag fuhr er zu mir und machte dann völlig unerwartet Schluss. Während der Zugfahrt wirkte noch alles gut. Er schrieb mir, dass er mich sehr vermisst, liebt und sich freut mich bald halten zu können und war zuversichtlich, dass wir uns gemeinsam hinsetzen und eine gemeinsame Lösung finden können. Er stand dann vor meiner Tür. Ihm liefen die Tränen übers Gesicht, "Es ist keine emotionale Entscheidung, sondern eine Rationale". Er wäre am Ende mit den Kräften. Ich hätte da eine Mauer in ihm eingerissen, er sei dankbar dafür und er müsse sich jetzt auf sich selbst fokussieren und an sich arbeiten, diese Reise ginge nur allein.
Klammern:
Ich verstand die Welt nicht mehr, weinte wie ein kleines Kind und flehte ihn an, dem Ganzen eine zweite Chance zu geben und zeigte ihm auf, dass es heute doch viel besser liefe als früher und wir das schaffen können und uns doch schon Ideen überlegt haben, die wir bereden wollten. Sein Entschluss stand, er packte unter Tränen seine Sachen und ging.
Abschiedstreffen + Brief:
Das ging alles für mich so schnell, dass ich ihn 1 Tag später
Am 29. Mai - um ein abschließendes Gespräch auf Augenhöhe bat. Das nahm er unerwartet und dankend an.
Am 31. Mai - gratulierte er mir zu meinem Geburtstag. Ich schrieb nur "Danke."
Am 2. Juni - Ich ging entschlossen und mit Akzeptanz zum Abschiedstreffen. Dort weinte er mehrmals, sagte ganz oft, dass er mich eigentlich nicht gehen lassen wolle. Er hätte aber keine Kraft mehr und wolle mir darum auch keine Hoffnung machen, obwohl er überlegte zurückzurudern, eine Kontaktpause vorzuschlagen, aber er war sich nicht sicher und so durcheinander und zerrissen, dass ich ihm dann letztendlich ruhig sagte "Es ist okay. Lass uns bei der Entscheidung bleiben und uns in 2 Monaten oder so updaten... Ich möchte nur keine Spielerei." Er war verwundert über meinen Umgang. "Du scheinst ja schneller über den Berg zu sein als ich. Ich will mir nicht vorstellen, wie du dann einen anderen Mann an deiner Seite hast." und suchte dabei ganz oft meine Hände.
Er warnte mich auch schon scherzhaft vor, dass er sich betrunken melden könnte.
*Ich füge unten meinen Abschiedsbrief ein
Am 3. Juni - Am Tag seiner Abreise rief er mich an, um mich nochmal zu sehen und zu verabschieden.. Ich ging darauf ein und fuhr zum Bahnhof mit dem Wissen, dass ich ihn ein letztes Mal sehen würde und verabschiedete ihn am Gleis, wo er in Tränen ausbrach, mich küsste und sagte er wolle mich gar nicht gehen lassen. Er wolle nicht ohne mich zurück. Das brach mir nochmal das Herz, aber ich blieb irgendwie gefasst. Als er in den Zug stieg, machte er einen Spruch "Bis die Tage. Soll das Schicksal entscheiden."
Nach der Trennung:
Seit seiner Abreise schrieb er mir wieder kurz darauf mit zweideutigen Signalen. Er hätte noch Fragen zu meinem Abschiedsbrief, die er mir gerne stellen würde, worin ich die Dinge ordnete und Akzeptanz äußerte. Er wolle an sich arbeiten und daraus lernen. Letztlich konnten wir keine genaue Kontaktsperre formulieren und alles in allem war das fortlaufende Whatsapp-Gespräch ein Wechsel aus "mein Entscheid steht fest, aber emotional will ich das gar nicht".
Also stand ich in der Warteposition für seine Fragen, die er noch offen hatte. Weil mir das zu sehr weh tat und mich emotional machte, bat ich ihn am 5. Juni mir alles gesammelt irgendwann mal in einem halb Jahr in einer Nachricht zu formulieren und zu senden und dass ich jetzt die Chance haben möchte, das zu verarbeiten..
Er empfand es als "unfair" weil er manche Dinge gerne verstehen würde. Ich sagte ihm, das würde er schon schaffen und hätte alles dafür, was er braucht.
Weich werden:
Am 7. Juni - Ich hatte ein schlechtes Gewissen und sagte ihm dann doch, er könne sie mir ruhig stellen, dass ich nicht unfair bleiben möchte und dass ich einfach etwas Abstand gebraucht hätte und es jetzt wieder ginge.
Er meinte, er überlege sich das, aber hätte das schon akzeptiert gehabt und würde mir allenfalls nächste Woche schreiben. Er hoffe, mir ginge es gut. Daraus entstand ein Smalltalk. Als ich ihm (weil das wirklich so war) berichtete, dass gerade vieles einen positiven Lauf nimmt, war er überrascht, freute sich für mich und äußerte, dass es ihn jetzt wieder sehr emotional machen würde, Zeilen von mir zu lesen und doch etwas Abstand bräuchte, um wieder ab und zu schreiben zu können.
Er würde wie ich auch den Austausch vermissen, aber es wühle ihn gerade zu sehr auf. Ich akzeptierte und ließ ihn in Ruhe.
Am 10. Juni schrieb er:
[10.06.24, 11:53] Hey... wie geht's dir?
[10.06.24, 11:54] Darf ich dir meinen Text zum Brief senden?
[10.06.24, 20:30] …?
[10.06.24, 20:33] Nehme an uns gehts also etwa gleich ughh
Am 11. Juni:
[11.06.24, 11:11] Hey wenns dir zu viel is und du keinen Kontakt möchtest, dann is das okay. Dann lass ich's. Aber bitte sag mir kurz bescheid, ob ich den Text schicken darf oder nicht. Ich reflektiere da deinen Brie und stelle ein paar Fragen dazu. Es könnte aber trotzdem aufwühlend sein. Ist halt emotional...
Meine Frage:
Nach wie vor habe ich Gefühle für ihn, für den Menschen hinter diesem Beziehungsverhalten. Ich geb gerade mein Bestes mich auf mich selbst zu konzentrieren, meine Verlustangst-Thematik zu bearbeiten und einfach diesen Liebeskummer zu überstehen. Ich habe immernoch den tiefen Wunsch, dass wir wieder zueinander finden. Wir haben uns beide gesagt, dass wir uns gerne zu einem späteren Zeitpunkt kennengelernt und in einer reiferen Version gegenüber gestanden hätten. Aber dafür muss ich so oder so erstmal bei der Kontaktpause bleiben. Was soll ich jetzt tun? Ist es fair, gar nicht mehr zu antworten? Eigentlich will ich gar nicht mehr über die Trennung reden oder Wunden aufreißen. Aber ich habe es ihm ja wieder angeboten, weil ich nicht unfair sein wollte.
Andererseits glaube ich, wenn er sich etwas bemüht, wird er schon selbst drauf kommen, was seine Anteile waren. Glaubt ihr, dass man sich dahingehend ändern und wieder zueinander finden kann?
Ich komme mir so albern vor.. eigentlich ist er wirklich ein lieber und toller Mensch.. Aber von außen betrachtet, sollte ich ihn vielleicht in den Wind schießen. Und ich weiß, dass ich keine Kontrolle über seine Entscheidung oder Selbstreflexion habe. Ob er zurückkommen wird, keine Ahnung. Aber ich muss loslassen, auch wenn ich gar nicht will.
Bin dankbar für jeden Ratschlag.
Lieben Gruß
Larissa
*Abschiedsbrief
*WhatsappVerlauf seit dem 3. Juni
ich komme mal direkt zu meiner Geschichte und zu meiner Frage.
Meine Geschichte:
Ich (w30) habe letztes Jahr im Januar meinen heutigen Ex-Freund (m28) kennengelernt. Am 28.05. war die Trennung.
Zusammenkommen:
Er schrieb mich über Instagram an und erzählte mir, er käme aus der Schweiz zu mir in die Großstadt nach Deutschland zum Musik produzieren für 3 Monate mit seinem Kumpel. In diesem Zeitraum lernten wir uns kennen. Ich machte mir keine großen Gedanken, da ich wusste, dass er ja wieder bald heimreisen würde. Und auf eine Fernbeziehung wollte ich mich nicht einlassen. Wir gingen oft in Bars und Cafes, hatten wahnsinnig tolle Gespräche und Momente, viele Gemeinsamkeiten und Interessen. Ich blieb anfangs dennoch sehr vorsichtig und skeptisch, da ich aus einer sehr schwierigen 6-jährigen Beziehung kam. Für den ersten Kuss brauchte es mindestens 1 Monat, es knisterte ziemlich zwischen uns und ich bemerkte, wie viel Mühe er sich gab und es ihm mit mir ernst schien.
Wir ließen uns auf die kommende Fernbeziehung ein. Alles war schön und leidenschaftlich für die ersten 4-5 Monate.
Probleme:
Ich war von Tag 1 offen und ehrlich in der Kommunikation. Damals litt ich noch unter Depressionen und hatte frisch mit meiner Therapie begonnen. Ich hatte zu der Zeit auch keine Hobbys (außer Kraftsport) und keine Arbeit, weil mich der Pflegeberuf komplett ausgebrannt hatte und weshalb ich eine Pause brauchte. Ein paar schwere Themen begleiteten dann irgendwann die gesamte Beziehung..
1. meine Depressionen
2. die Distanz (DE - CH)
3. das häufige Ausgehen und Flüchten. Er ging jedes Wochenende und unter der Woche aus. Ich war subtil eifersüchtig, klammernd
4. Es stellte sich heraus, dass er zusätzlich ein ziemlicher Näheflüchter bzw. Vermeider ist.. (berechtigte) Erwartungen lösten in ihm eine starke Reaktion aus
5. Ich habe eine starke Verlustangst. Ich habe dann den Drang zu überzeugen und alles zu zerreden. Ich reflektiere das und arbeite seit Beginn der Therapie daran und suchte nach Strategien damit umgehen zu können.
Wir führten ein wöchentliches Date-Night ein, sprachen viel über face-time. Aber irgendwie reichte das nicht. Menschlich passte es super. Wenn wir am selben Ort waren, fühlte ich mich auch sichrer und es gab deutlich weniger Konflikte, da liefs viel schöner.
Die Nähe-Distanz-Dynamik wurde zu einem Graus. Ich fühlte mich oft allein gelassen und nicht richtig "verbunden", vielleicht weil er so oft fort ging und flüchtete, oder weil die Gespräche nicht mehr so eine Tiefe nach den Konflikten hatten oder weil ich da eine Lücke in mir nicht füllen konnte, vielleicht und wahrscheinlich alles zusammen..
Eigentlich fand ich es sehr schön an ihm, wenn er so viel unternahm. Mein Gefühl unwichtig zu sein, war natürlich durch meine Umstände und wegen der Ferne noch mehr bestärkt. Irgendwann fing ich an, ihm häufig subtile oder direkte Vorwürfe zu machen, dass er zu oft wegginge, keine Zeit für mich hätte oder weniger Comitment zeige bis ich einsah, dass es größtenteils auch mein Thema war und ich ihn daraufhin um Verzeihung bat und versprach etwas zu ändern. Das veränderte sich nur mühsam.
Es ging mir aber zunehmend besser durch die Therapie, ich machte Fortschritte, bewarb mich für eine Ausbildungsstelle und wurde genommen. Im Herbst beginnt diese.
Meine Depressionen gingen zurück und ich fühlte mich zunehmend stabiler.
Er hingegen zog immer mehr die Distanz vor, war gar nicht mehr bereit sich mit unserem gemeinsamen Thema zu befassen... Wir sprachen halt leider zu oft über die Beziehung bzw die Konflikte, aber auch, weil wir sie nicht richtig lösen konnten, obwohl sie so lösbar waren.
Es wiederholte sich irgendwann zu oft.
Er merkte zeitgleich, dass er wohl selbst viele Baustellen habe, was sich auch in seinen Freundschaften und oder einer eher komplizierten Beziehung zu seinem Vater zeigte.
Nach außen wirkte er immer wie der charmante Strahlemann für andere. Total lebensfroh und gesellig. Für mich eher vieles überspielen und schönreden. Negative Gefühle waren ein absolutes No-go. Als Harmoniestrebend bezeichnete er sich und dass er alles mit sich selbst ausmache. Autonomie war sein Aushängeschild.
Da ich sehr feinfühlig bin und auch viel Therapieerfahrung sammelte, hab ich irgendwann seine Hintergründe verstanden. Er erzählte mir anfangs noch von einer wunderbaren sorglosen Kindheit, was sich später jedoch ganz anders herausstellte, nachdem er mir irgendwann einige traurige Geheimnisse anvertraute.
Seine Beziehungshistorie sah im Gegensatz zu seinem Beziehungswunsch auch eher traurig aus.. Entweder führte er nur Freundschaft-Plus-Verhältnisse, eine on/off Fernbeziehung, in der er die Person vielleicht 2x mal im Jahr sah oder eine inländische on/off-Beziehung, die extrem toxisch verlier. Keine hielt länger als ein Jahr und als es ihm zu viel wurde, ging er. Die anderen waren Schuld, machten zu viel Drama oder seien langweilig, aber er gab auch zu, nie genug Comitment gezeigt zu haben.
Tja. Ich dachte, mit mir würde es sich ganz anders verhalten. Es hieß immerzu "Wir sind ein Team. Und wenn wir 100x da durch müssen, wir schaffen das! Du bist es mir wert!" was sich irgendwann als ein Solo-Spiel herausstellte, obwohl er gut zuhören konnte.
Gegen Ende:
Er betonte immer, mich "auf Händen zu tragen" und mir die "Welt zu Füßen zu legen". Er wich jedoch Konflikten lieber aus, "da ist so viel Schwere immer. Das darf einfach nicht sein."
Trotzdem schafften wir uns jedes Mal dranzusetzen und darüber zu sprechen. Er hörte super gut zu. Und da hörte es dann aber schon wieder auf.
Die Gesten und Mühen schienen zu einem unfassbaren Kraftakt zu werden. Er konnte sich sehr schlecht abgrenzen und allgemein nicht gesund und liebevoll eine Grenze ziehen. Er fühlte sich auch immer extrem verantwortlich für mich, obwohl ich ihn nie um Hilfe bat. Ich machte ihm Angebote, sprach mit ihm. Bspw. mir einfach mitzuteilen, wenn er Raum für sich bräuchte. Er entschied sich dieses Jahr selbstständig für eine Therapie und ging hin, wenn auch nicht regelmäßig.
Gegen Ende wollte er unbedingt meinen Geburtstag organisieren, obwohl ich ihm sagte, dass ich das gern selbst tun würde und das kein Problem wäre. Er bestand sehr drauf, organisierte was Großes zu meinem 30. gemeinsam mit meinen Freunden.. aber da fiel mir schon auf, dass er sich einen riesen Stress machte, vor allem mit dem Geschenk. (Im Nachhinein stellte sich über Freunde raus, dass er gar nicht so viel in die Organisation rein investierte wie er selbst vorgab) Ich versuchte ihm den Druck rauszunehmen, wie auch mit anderen Dingen, und bat ihn, mir nur eine kleine Karte zu schreiben.
Auch die Monate davor geriet er in Zweifel und Ängste bezüglich der Fernbeziehung, dem "weggehen-thema", der damit verbundenen Konflikte und meiner im Herbst beginnenden Ausbildung.. Er hatte so viel Angst um Konflikte, dass er nichtmal mit mir in den Urlaub wollte und vorher andere Gründe vorschob.
Trennung:
-28. Mai - Nun. 4 Tage vor meinem Geburtstag fuhr er zu mir und machte dann völlig unerwartet Schluss. Während der Zugfahrt wirkte noch alles gut. Er schrieb mir, dass er mich sehr vermisst, liebt und sich freut mich bald halten zu können und war zuversichtlich, dass wir uns gemeinsam hinsetzen und eine gemeinsame Lösung finden können. Er stand dann vor meiner Tür. Ihm liefen die Tränen übers Gesicht, "Es ist keine emotionale Entscheidung, sondern eine Rationale". Er wäre am Ende mit den Kräften. Ich hätte da eine Mauer in ihm eingerissen, er sei dankbar dafür und er müsse sich jetzt auf sich selbst fokussieren und an sich arbeiten, diese Reise ginge nur allein.
Klammern:
Ich verstand die Welt nicht mehr, weinte wie ein kleines Kind und flehte ihn an, dem Ganzen eine zweite Chance zu geben und zeigte ihm auf, dass es heute doch viel besser liefe als früher und wir das schaffen können und uns doch schon Ideen überlegt haben, die wir bereden wollten. Sein Entschluss stand, er packte unter Tränen seine Sachen und ging.
Abschiedstreffen + Brief:
Das ging alles für mich so schnell, dass ich ihn 1 Tag später
Am 29. Mai - um ein abschließendes Gespräch auf Augenhöhe bat. Das nahm er unerwartet und dankend an.
Am 31. Mai - gratulierte er mir zu meinem Geburtstag. Ich schrieb nur "Danke."
Am 2. Juni - Ich ging entschlossen und mit Akzeptanz zum Abschiedstreffen. Dort weinte er mehrmals, sagte ganz oft, dass er mich eigentlich nicht gehen lassen wolle. Er hätte aber keine Kraft mehr und wolle mir darum auch keine Hoffnung machen, obwohl er überlegte zurückzurudern, eine Kontaktpause vorzuschlagen, aber er war sich nicht sicher und so durcheinander und zerrissen, dass ich ihm dann letztendlich ruhig sagte "Es ist okay. Lass uns bei der Entscheidung bleiben und uns in 2 Monaten oder so updaten... Ich möchte nur keine Spielerei." Er war verwundert über meinen Umgang. "Du scheinst ja schneller über den Berg zu sein als ich. Ich will mir nicht vorstellen, wie du dann einen anderen Mann an deiner Seite hast." und suchte dabei ganz oft meine Hände.
Er warnte mich auch schon scherzhaft vor, dass er sich betrunken melden könnte.
*Ich füge unten meinen Abschiedsbrief ein
Am 3. Juni - Am Tag seiner Abreise rief er mich an, um mich nochmal zu sehen und zu verabschieden.. Ich ging darauf ein und fuhr zum Bahnhof mit dem Wissen, dass ich ihn ein letztes Mal sehen würde und verabschiedete ihn am Gleis, wo er in Tränen ausbrach, mich küsste und sagte er wolle mich gar nicht gehen lassen. Er wolle nicht ohne mich zurück. Das brach mir nochmal das Herz, aber ich blieb irgendwie gefasst. Als er in den Zug stieg, machte er einen Spruch "Bis die Tage. Soll das Schicksal entscheiden."
Nach der Trennung:
Seit seiner Abreise schrieb er mir wieder kurz darauf mit zweideutigen Signalen. Er hätte noch Fragen zu meinem Abschiedsbrief, die er mir gerne stellen würde, worin ich die Dinge ordnete und Akzeptanz äußerte. Er wolle an sich arbeiten und daraus lernen. Letztlich konnten wir keine genaue Kontaktsperre formulieren und alles in allem war das fortlaufende Whatsapp-Gespräch ein Wechsel aus "mein Entscheid steht fest, aber emotional will ich das gar nicht".
Also stand ich in der Warteposition für seine Fragen, die er noch offen hatte. Weil mir das zu sehr weh tat und mich emotional machte, bat ich ihn am 5. Juni mir alles gesammelt irgendwann mal in einem halb Jahr in einer Nachricht zu formulieren und zu senden und dass ich jetzt die Chance haben möchte, das zu verarbeiten..
Er empfand es als "unfair" weil er manche Dinge gerne verstehen würde. Ich sagte ihm, das würde er schon schaffen und hätte alles dafür, was er braucht.
Weich werden:
Am 7. Juni - Ich hatte ein schlechtes Gewissen und sagte ihm dann doch, er könne sie mir ruhig stellen, dass ich nicht unfair bleiben möchte und dass ich einfach etwas Abstand gebraucht hätte und es jetzt wieder ginge.
Er meinte, er überlege sich das, aber hätte das schon akzeptiert gehabt und würde mir allenfalls nächste Woche schreiben. Er hoffe, mir ginge es gut. Daraus entstand ein Smalltalk. Als ich ihm (weil das wirklich so war) berichtete, dass gerade vieles einen positiven Lauf nimmt, war er überrascht, freute sich für mich und äußerte, dass es ihn jetzt wieder sehr emotional machen würde, Zeilen von mir zu lesen und doch etwas Abstand bräuchte, um wieder ab und zu schreiben zu können.
Er würde wie ich auch den Austausch vermissen, aber es wühle ihn gerade zu sehr auf. Ich akzeptierte und ließ ihn in Ruhe.
Am 10. Juni schrieb er:
[10.06.24, 11:53] Hey... wie geht's dir?
[10.06.24, 11:54] Darf ich dir meinen Text zum Brief senden?
[10.06.24, 20:30] …?
[10.06.24, 20:33] Nehme an uns gehts also etwa gleich ughh
Am 11. Juni:
[11.06.24, 11:11] Hey wenns dir zu viel is und du keinen Kontakt möchtest, dann is das okay. Dann lass ich's. Aber bitte sag mir kurz bescheid, ob ich den Text schicken darf oder nicht. Ich reflektiere da deinen Brie und stelle ein paar Fragen dazu. Es könnte aber trotzdem aufwühlend sein. Ist halt emotional...
Meine Frage:
Nach wie vor habe ich Gefühle für ihn, für den Menschen hinter diesem Beziehungsverhalten. Ich geb gerade mein Bestes mich auf mich selbst zu konzentrieren, meine Verlustangst-Thematik zu bearbeiten und einfach diesen Liebeskummer zu überstehen. Ich habe immernoch den tiefen Wunsch, dass wir wieder zueinander finden. Wir haben uns beide gesagt, dass wir uns gerne zu einem späteren Zeitpunkt kennengelernt und in einer reiferen Version gegenüber gestanden hätten. Aber dafür muss ich so oder so erstmal bei der Kontaktpause bleiben. Was soll ich jetzt tun? Ist es fair, gar nicht mehr zu antworten? Eigentlich will ich gar nicht mehr über die Trennung reden oder Wunden aufreißen. Aber ich habe es ihm ja wieder angeboten, weil ich nicht unfair sein wollte.
Andererseits glaube ich, wenn er sich etwas bemüht, wird er schon selbst drauf kommen, was seine Anteile waren. Glaubt ihr, dass man sich dahingehend ändern und wieder zueinander finden kann?
Ich komme mir so albern vor.. eigentlich ist er wirklich ein lieber und toller Mensch.. Aber von außen betrachtet, sollte ich ihn vielleicht in den Wind schießen. Und ich weiß, dass ich keine Kontrolle über seine Entscheidung oder Selbstreflexion habe. Ob er zurückkommen wird, keine Ahnung. Aber ich muss loslassen, auch wenn ich gar nicht will.
Bin dankbar für jeden Ratschlag.
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Larissa
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