Realistische Einschätzung nach Trennung (Verlassender mit Depression schreibt)

TheWho

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Hallo zusammen,

da ich mich von meinem Gefühl her, am Beginn eines Neuanfangs befinde, halte ich dieses Forum für eine gute Ressource, die Gemeinschaft um Rat zu bitten. Und womöglich versuche ich in anderen Threads was beizutragen. Auch wenn ich, was meine Verfassung anbelangt, momentan wahrscheinlich nicht so kreativ bin.

Zu mir
Ich bin 31 Jahre und habe mich getrennt. Mein Anliegen ist vor allem das einer Perspektivklärung, da ich nicht wirklich glaube, dass eine Ex-Back-Strategie für meine Situation sinnvoll ist. Auch wenn ich mir das wünsche, denke ich, dass der Weg dahin ziemlich verschlossen ist, da ich erst spät auf dieses Forum gestoßen bin und nicht so fest glaube, dass diese Strategie für eine solche Lebenssituation passt. Aber wer weiß.

Die Situation
Ich habe mich nach einem Urlaub von meiner Ex getrennt, obwohl ich sie liebe. Der Grund lag darin, dass ich es nicht vermochte, nach fast zwei Jahren Beziehungen (On-Off) sie so glücklich zu machen, wie ich die Person, die ich liebe, gerne hätte. Das ist nun 3 Wochen her. Und ich habe seitdem sehr tief bei mir selbst geforscht, was mich genau zu dem Perfektionismus einerseits und dem Verhalten mich über die Beziehung hinwegzusetzen verleitet hat. Meine Idee ist: Ich habe eine mittelschwere Bindungsangst, die in der Beziehung zu meiner Ex-Freundin durch ihre Verlustangst und unsere On-Off-Beziehung stark getriggert wurde.

Am ersten Tag nach der Trennung fühlte ich sehr deutlich, wie leid mir mein Verhalten tut. Und dass ich einen großen Fehler gemacht habe. Sie selbst macht nach Trennungen dicht. Sie blockiert alles und ist letztlich nur per Mail zu erreichen. In den Tagen nach der Trennung lief ich wie auf Schienen, weil ich selber sehr, sehr traurig über den Verlust war. Ich fühlte mich kein Stück frei oder irgendwie besser. Im Gegenteil.

Nach drei Tagen telefonierten wir und ich fragte sie, ob sie Rat wisse bzw. was mit mir nicht stimme. Sie ist eine wundervolle Frau (38), steht im Leben, schlau, hat zwei Kinder und ist lediglich hinsichtlich der Kommunikation ihrer eigenen Bindungsthemen (braucht viel Nähe, möchte Alltag, möchte Ankommen) manchmal etwas schwierig im Umgang mit mir gewesen. Ich respektiere sie zutiefst als Menschen und in meiner Brust schlugen gleich mehrere Herzen.

1. Ich wollte sie um Verzeihung bitten, für all das Leid, dass ich ihr bereitet habe.
2. Ich wollte Sie um Rat bitten, wo sie Möglichkeiten sieht, meine Probleme in den Griff zu bekommen.
3. Ich wollte natürlich es mit schaffen.
In diesem Telefonat verabredeten wir uns - nach meinem Empfinden - dazu, es sachte angehen zu lassen. Uns zu treffen und dann auf Basis dessen meine Ernsthaftigkeit mehr oder weniger zu prüfen. Ich las mich unterdessen sehr intensiv und viel in das Thema "Bindungsangst" ein. Es ist bei mir stark an einen geringen Selbstwert gekoppelt, der in den fast zwei Jahren der On-Off-Beziehung sicher nicht gesteigert wurde. Auch dadurch, wurden meine Zweifel an mir und meiner Art immer größer. Ich hatte ein sehr schlechtes Bild von mir. Ich war dadurch auch sehr, sehr passiv und konnte ihr - in einem Telefonat zwei Tage später - kein Commitement geben. Mir fehlten schlicht die Worte. Ich entschuldigte mich aber sehr oft.
Kurzum: Nachdem Sie ein Commitement von mir wollte, gab ich keins. Ich war schlichtweg geschockt über mich, weil mir viele Verhaltensweisen in der Beziehung nun sehr deutlich und klar als rein von mir verursacht erschienen. Sie hatte damit fast nichts zu tun.

Ich akzeptierte also ihre Nachfrage, konnte darauf nicht eingehen und akzeptierte auch die Bestätigung der Trennung durch sie.

Nun las ich mich weiter in das Thema ein. Wälzte zwei Bücher und setzte mich auf Wartelisten bei Psychotherapeuten, damit ich endlich weniger Bindungsangst oder weniger bindungsvermeidend agiere. Die Themen zwischen uns waren schlicht Zusammenwohnen, Alltag miteinander verbringen. Ich war dazu nicht in der Lage und hatte es mir und ihr immer als meine Art verkauft, dass ich häufig allein sein musste. Dabei liegen dem andere Prozesse zugrunde. Ihr Unglück, weil sie nicht bekam, was sie wollte aber trotz dessen zu mir hielt verstärkte meine Selbstwertprobleme natürlich zusätzlich.
Es kam in den Folgetagen zur Übergabe über eine Freundin (ich bin ja überall blockiert, damit sie sich lösen kann). Ich verfasste einen Brief, in dem ich alle meine fehlerhaften Verhaltensweisen auflistete und außerdem legte ich einen Gutschein bei, den sie mir mal geschenkt hatte. Für eine Massage - mit der Notiz, dass ich möchte, dass sie sich etwas gutes tut. Ich hätte die Massage beim besten Willen nicht wahrnehmen können.

Nun las und las ich und tauschte mich auch in einem Forum für Bindungsphobiker aus. Und letztlich erhielt ich zusehends mehr Antworten auf meine Situation. Aus der anfänglichen Schockstarre ("Oh man, was bin ich nur für ein furchtbar verdrängender Mensch?") wurde nun zusehends die Aussicht, wie ich das ändern könne. Unter anderem, indem man "Ja!" zu einer Beziehung sagt und sich darin übt, mit seinen Ängsten umzugehen.
Ich schrieb ihr das. Und gab ihr ein Comittement.
Daraufhin schrieb sie mir eine Mail, in der sie mir mehr oder weniger alles Gute wünschte und dass sie an unsere Zeit positiv zurückdenken würde und ich mich nicht so schlecht machen solle. Es ginge ihr sehr zu Herzen, dass ich so leiden würde. Auch hier merkte ich, wie schlecht ich mich fühlte, weil ich sie sehr liebe und viel Schuld und Scham empfand.
Nach einigem Hin- und Her telefonierten wir wieder. Und wir unterhielten uns eigentlich nur über mein Problem und wie ich glaube, es in den Griff zu bekommen.
Nach vier Tagen des Austauschs (in dessen Verlauf sie auch bekräftigte, mich zu lieben) bekam ich eine Whatsapp von ihrer besten Freundin. Darin die Bitte, mich anstandshalber nicht mehr bei ihr zu melden. Denn das würde ihr schaden.

Ich frage meine Ex, wie ich damit umgehen könne. Ich war sehr verunsichert. Und wollte auch wissen, wie groß ihr Leid ist, damit ich meine Schuldgefühle auf eine realistischere Basis stellen kann.

Sie eröffnete mir, dass sie tatsächlich wahnsinnig leiden würde und sich aus einer Art Verpflichtung und ihrer Bindungsthematik heraus mit mir austauschen würde. Natürlich würde sie mich lieben und hätte Hoffnung. Erklärte sich dies aber auch (wer weiß, aus welchen Motiven?) vor allem aus ihrer eigenen Bindungsthematik. Aber sie merke, wie kaputt sie das machen würde. Die Trennung war sehr traumatisch für sie. Und ich erklärte wieder und wieder, wie sehr es mir leid tun würde.
Nach zwei Tagen (das ist nun eine Woche her), fasste ich meinen Mut und wollte ihr sagen, dass mir letztlich nur eine Wahl bleibt: Ich liebe sie, ich möchte mich ändern und habe einen Plan, wie ich das schaffe. Mit ihr. Ich würde sie gerne Treffen. Sie musste wieder weinen. Die Erfahrungen aus der Beziehung und die tief-verletzende Trennung schmerzten sehr. Ich sagte, sie könne sich ja überlegen, ob wir uns am Folgetag treffen können. Ich wäre da sehr daran interessiert. Ich versäumte es sehr, ihr ein positives Bild dieses Treffens zu zeichnen.
Von ihr kam nun am 31.08. eine Mail, in der sie mir - gefühlt - widersprüchliche Dinge mitteilte.

Ihr Mail, die das Treffen absagte

- Sie verspürt viel Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit
- Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und auslaugend
- Alle Telefonate drehten sich um meine Ängste; Angst ist kein gutes Fundament für eine Beziehung
- Dank für die gemeinsame Zeit und die Erkenntnisse
- Sie kann mir bei meinem Prozess aus Kraftgründen und ihren Verlustängsten nicht helfen, obwohl sie das sehr gerne tun würde
- Sie wolle geliebt werden, wie sie ist
- Sie wird mich unendlich vermissen und weint beim Schreiben
Und schließlich, dass sie mich liebt und nicht glauben kann, mich loszulassen.

Der Text beginnt mit

"Lieber Vorname,
ich hoffe, dieser Brief erreicht dich in einer Zeit, in der wir beide uns Raum geben können, um unsere Gedanken zu sortieren und Frieden mit unseren Entscheidungen zu finden."

"Ich bedaure es unendlich, nicht für dich da sein zu können. Ich habe gehört, dass du mich brauchst und ich ein wichtiger Teil deines Prozesses bin. dass ich diesen Platz nicht einnehmen kann, macht mich fertig. Ich hoffe, du kannst dir irgendwie vorstellen, dass ich mich extrem mobilisieren müsste, um das auszuhalten. Und weit über meine Grenzen gehen müsste. Ich schaffe das nicht. Das ist eine große Aufgabe für mich."

"Ich möchte mich bei dir für die Zeit bedanken, die wir gemeinsam hatten, und für die Erkenntnisse, die ich aus dieser Beziehung gewonnen habe. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen. Ich habe erkannt, dass es wichtig ist, meine eigene Gesundheit, meine eigenen Bedürfnisse und meine eigene Hoffnung zu priorisieren."

und er schließt mir...
"Ich vermisse dich unendlich und mein Herz ist gebrochen. Ein großer Teil hängt wahnsinnig an dir und es schnürt mir die Kehle zu, wenn ich daran denke, dich da aus meinem Leben zu lassen, dich loszulassen. Ich muss das jetzt wieder hinbekommen und dieses Loch da füllen. Ich denke, wenn wir uns treffen, könnte ich keine Minute ohne diese Tränenflut mit dir sprechen. Ich könnte nicht aus mir heraus oder meine Gedanken und Gefühle darlegen. Verzeih mir bitte meine Schwäche, ich stehe sehr neben mir."

Ironie ist also: Ich erkenne meine Fehler. Ich entschuldige mich. Ich fasse einen Plan. Will sie lieben. Sie sagt nein.

Darauf habe ich ihr geantwortet, dass ich sie sehr liebe. Und wie ich mir das Treffen vorgestellt habe. Und dass ich ihre Antwort würdige. Nachdem ich so oft die Kontaktsperre, die sie verhängt hatte, per Mail 'gebrochen' habe, muss und werde ich mich nun an diese halten. Ich habe nach meiner Mail keine Antwort mehr von ihr erhalten. Wahrscheinlich - soweit ich sie kenne - ist sie am Boden zerstört.

Es ist nun der dritte Tag der KS und ich bin natürlich sehr niedergeschlagen. Ich mache viel Sport - schon seit drei Wochen sehr intensiv und habe auch von einem guten Freund schon ein Kompliment für meinen Körper bekommen. Ich kann mittlerweile sehr viel offener über sehr lange verdrängte Probleme bei mir sprechen. Ich habe das auch in den Telefonaten gemacht. Ich wende Methoden an, um mehr ins Fühlen zu geraten. Ich weiß, dass das ein eeeeewiger Prozess sein wird. Aber ich habe das für sie in Angriff genommen. Und ich weiß, dass man das für sich tut. Aber sie ist ein so wundervoller Mensch, dass ich es (auch aufgrund meiner Selbstwert-Thematik) noch eher für sie tun würde, damit sie glücklich ist. Das hat mich nämlich immer sehr glücklich gemacht, wenn sie Erfüllung hatte.

Ich habe das Gefühl, dass ich gewissermaßen die Bestätigung brauche, dass es wirklich für immer vorbei ist. Natürlich würde ich sofort kämpfen, wenn ich könnte. Aber ich kann sie nicht noch mehr belasten. Ich kann ihre Kontaktsperre nicht nochmal brechen. Letztlich ist nach meiner letzten Mail sowieso der Ball bei ihr. Ich weiß überhaupt nicht, nach welchem Zeitraum ich mich erkundigen dürfte, wie es ihr geht, ohne, dass ich in ihr gleich wieder ein Riesenfeuerwerk von Vermissen, Sehnsucht und so weiter auslösen würde.

Es fühlt sich so an, als hätte sie sich nun von mir getrennt. Obwohl ich das eingeleitet habe. Geht es verkorkster?!:oh:

Meine Fragen sind demnach:
Ist sie mit ihren Gefühlen nach einiger Erholung imstande sich zu melden?
Klingt das für euch eigentlich so eindeutig, dass da nix mehr passieren wird und nur ich kann es aus lauter Hoffnung nicht sehen/verstehen?
Meint ihr, dass sie unter der Bedingung, dass sie mich liebt und vermisst irgendwann den Schritt einer Meldung geht?
Wie gelingt auch mir das Verarbeiten dieser verzwickten Situation?

Hoffnung ist ein kleiner Ar***. Also ich muss diese ja jetzt erstmal begraben.

Ich habe ihr ja deutlich gesagt, dass ich sie möchte und liebe. Ich leide sehr unter ihrer Kontaktsperre, weil ich weiß, dass diese wegen starker Gefühle und Vermissen existiert. Ich merke auch, dass ihr Muster ist, dass sie erst zusagt und dann die Vernunft siegen lässt und sowohl sich als auch mir damit natürlich Schmerzen zufügt. Sie macht die KS aus Schutz vor dem tiefen Loch, dass sie empfindet, weil ich fehle und um sich schnell zu entlieben. Ich möchte, dass es ihr gut geht und ihr nur Gutes tun. Aber in diesem Falle ist das einzige was ich Gutes tun kann: Bleib für immer fern.

Ich danke euch für eure Eindrücke und reagiere natürlich auch auf Rückfragen.
 
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Admina Hira Eth

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31 Aug. 2021
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Hallo TheWho,

diesen Begrüßungstext schreiben wir allen neuen Mitgliedern.

Herzlich willkommen im Beziehungskummer Forum.

Um einen möglichst reibungslosen Start für dich zu gewährleisten, verschaffe dir bitte zuerst eine Orientierung und lies dich in grundsätzliche Texte von Wolfgang, dem Forenbetreiber, ein, auf dessen Gedanken und Erkenntnissen die Beratung hier im Forum basiert: Dazu gehört der Mann-Frau-Konflikt, der Text über die Kristallisation und alle anderen Texte auf Wolfgangs Startseite. Als Starthilfe für dich als Neuling, dient dieser Link.

Beachte bitte zudem: Ein Forum ist kein Selbstbedienungsladen sondern eine Selbsthilfegruppe. Wenn Du ausreichend Feedback von den anderen willst, musst Du Dich auch in anderen Strängen an der Diskussion beteiligen.

Kommunikation zwischen dir und dem Ex oder OdB (= Objekt der Begierde) stelle bitte in Fettschrift ein; deine Berater können sich so schneller orientieren und somit effektiver bei einem Antworttext helfen.

Bei einem Ex-Back bietet sich in der Regel zuerst eine KS (Kontaktsperre ) an - das heißt, keine Kontaktaufnahme geht von dir aus. Die KS ist unter anderem für dich selbst da, um zur Ruhe zu kommen, Selbstvertrauen aufzubauen, zu reflektieren und evtl Baustellen anzugehen - gleichzeitig dient sie als strategisches Element. Mache Sport, geh mit Freunden aus, lasse alte Bekanntschaften /Freunde wieder aufleben, pflege deine Hobbys wieder richtig oder lass alte Hobbys wieder aufleben.

Denn es ist einerseits verständlich, wenn du dich in deinem Kummer intensiv mit deiner Liebesgeschichte beschäftigst. Jedoch löst diese intensive und oft sorgenvolle Beschäftigung mit deinem OdB dein Problem nicht automatisch. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du dich darüber hinaus ablenkst und unbedingt zu einem großen Teil den Fokus auf dein Wohlgefühl (unabhängig von deiner Liebesgeschichte) richtest. Hierzu eignet sich folgender Strang:
"Aktives 'Warten' - die Positivspirale".

Bitte achte darauf, dass du die Kommunikation deines Ex-Partners stehen lässt und nicht sofort editierst - denn dann hätte keiner was davon: Weder deine Berater im Strang können sich schnell orientieren, noch haben Mitleser die Gelegenheit, etwas zu lernen.

Und noch was: Bitte lege Dir einen Avatar zu, so dass du ein "Gesicht" für uns bekommst.

Für Deine Beziehungsgeschichte wünschen wir Dir viel Glück!


Hira aus dem Team

Ps.: Für alle die ein Ex back anstreben ist Wolfgang's E-book ein "Muß".

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JanS

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Hi!
Oh das klingt aber sehr dramatisch. Aber danke für deinen Beitrag! Mein Mitgefühl habt ihr. Ich kann dir leider nur genau das raten, was dir vermutlich alle raten werden: Kein Kontakt.
Das klingt so dermaßen überhitzt alles, dass es erstmal runter kühlen muss. Und wie du ja sicher schon gelesen hast, wird dir diese Zeit nützen. Ihr beschäftigt euch ja bereits mit dem Thema und da gibt es am Anfang auch viel, womit mal sich erstmal alleine befassen muss, außerhalb des permanenten Beschusses, der in einer Beziehung stattfindet, die schon in so einer Dynamik drin steckt.
Im Grunde hast du ja alles richtig rüber gebracht: Du willst an dir arbeiten
und am liebsten mit ihr zusammen sein.
In dieser, für das Nervensystem extremen Situation, äh Trennung, habt ihr euch ja quasi gegenseitig eure tiefsten Verletzungen gezeigt und habt dann die alt bewährten Strategien genutzt: Flucht und Abwehr, weil es ein krasses Risiko ist, etwas preis zu geben das so verletzlich ist und beschämend, etwas zu präsentieren, das als Nicht-der-Norm-entsprechend gilt.
Jetzt bleibt ihr erstmal in euren gut ausgebauten Stellungen und überlegt, wie ihr mit euch selbst Frieden schließen könnt, denn wirklich verschwinden werden die Wunden aus der Vergangenheit nie. Die Bindungsängste werden nicht verschwinden, aber ihr könnt lernen, damit umzugehen und der erste Schritt ist getan: Die Wunden zeigen.
Dann kommt ihr irgendwann aus eurem Loch gekrochen, erholt, geht aufeinander zu und geht in die nächste Phase der Achterbahnfahrt. Da muss man halt wirklich Bock drauf haben, aber wenn's klappt, werdet ihr eine Tiefe gewinnen, die euch voll abholt.

Ich bin mit dir einer Meinung - eine stanni Ex-Zurück-Strategie erscheint mir hier fehl am Platz. Warum aus dem Kopf heraus taktieren? Du musst in dein gutes Gefühl kommen. Allerdings dennoch Anteile deiner Gefühle im Zaum halten, nämlich deine eigene Verlustangst, die dich dazu verleiten möchte, dramatische E-Mail oder sowas zu verfassen, in Momenten in denen du glaubst, dir würde die Kontrolle über sie entgleiten. Das wirkt nämlich verwirrend. Ich könnte dich nicht ernst nehmen, wenn du erst Schluss machst und dann 2 oder 3 Wochen später mit der "großen Erkenntnis" ankommst und zurück rudern willst. Beim ersten oder zweiten mal vielleicht, aber nach einer ausgeprägten On-Off-Historie nicht.

Ich könnte da jetzt noch viel schreiben, aber ich denke, das reicht. Lass es soweit runter kühlen, bin du keine Angst mehr vor überschießenden Gefühlen (ihrerseits) hast und sie wird so lange runter kühlen, bis sie einen möglichen Verlust verkraften könnte (was nicht bedeutet, dass du ihr gleichgültig wirst). Im Hintergrund wirkt da ja auch noch ein ganz fieser Hormoncocktail, der euch die Sinne raubt.
 

Eisvogel100

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334
Guten Morgen the who,

ich fand es spannend, die Perspektive aus der Sicht eines Verlassers zu lesen.

Einen wirklichen Rat kann ich dir nicht geben, außer diesen, deine Ex erst mal in Ruhe zu lassen. Sortiere dich du erst mal.

Warum war eure Beziehung schon vorher On-Off? Warst es jedesmal du, der sich getrennt hatte? Ich lese heraus, dass deine Ex sich mehrfach mehr Verbindlichkeit gewünscht hatte, du ihr diese aber nicht geben wolltest. Hast du dich dann jedesmal aufs Neue getrennt?

Als einst Verlassene - das vorweg - bin ich nicht sonderlich milde zu Verlassern. Eine Trennung muss man sich nämlich gut überlegen - für mich fühlte sich meine wie Müllentsorgung an. An dem laboriere ich jetzt inzwischen ein ganzes Jahr rum und mein Verständnis für Rumgeeiere ist daher im Promille-Bereich.

Egal, welche Gründe du hattest - halte dir vor Augen, dass du es warst, der diese Trennung wollte. Dies macht etwas mit der Person, die du verlassen hast. Wenn du von On-Off schreibst, dann ist das schon öfter passiert? Jetzt kommst du an mit „habe mich aus lauter Liebe getrennt“ - sorry, das ist ein weiterer Schlag ins Gesicht für deine Ex. Woher soll sie jetzt wissen, dass du es diesmal ernst meinst und nicht fünf Wochen später erneut mit Bindungsangst oder sonstwelchen Gründen abziehst?

Lass sie erst mal in Ruhe und gehe tief in dich, was du eigentlich von ihr willst und was du für dich willst. Alles andere ist nämlich nur anstrengend für euch beide.

Ich bin der Ansicht, dass man bei Beziehungen einen Partner verdient hat, der nicht davon rennt, wenn es eng oder schwierig wird, wenn keine schweren Verfehlungen (Betrug, lügen etc) passiert sind. Gefühle können sich verändern und das Recht zu gehen, ist jedem selbstverständlich unbenommen.

Kritisch wird es aber dann, wenn daraus ein Dauerzustand mit „ja, nein, vielleicht“ wird.

Wie gesagt, eine Trennung macht was mit den Exen und ob deine dir vergeben kann, vermag ich nicht zu sagen.
Alles Gute für dich!
 

Tinkabella

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2.713
Hallo TheWho,

ich habe gerade sehr interessiert deinen Beitrag gelesen. Zum einen weil es hier mal um einen Perspektivenwechsel geht und zum anderen weil ich selbst in einem ähnlichen Dilemma stecke wie du…

Du schreibst ihr wart bis dato 2 Jahre zusammen. Mit On/Off ?!?
Wie darf ich mir das nun konkret vorstellen? Hast du sie jedesmal verlassen oder auch sie dich weil sie es sprichwörtlich nicht mehr ausgehalten hat?

Es ist wie du ja selbst schreibst eine sehr verzwickte und belastende Situation. Ich kann dich zwar ansatzweise verstehen aber genau so gut auch deine Ex, welche jetzt dicht macht.
Ich denke diese Dynamiken werden euch immer wieder einholen… egal wie oft und wie lange ihr es jedesmal ausdiskutiert…

Meinst du, dass du es schaffst ganz allein für dich herauszufinden was du möchtest? Im Moment denke ich, dass dich deine Verlustangst triggert… ist diese aber wieder gestillt beginnt das „Spiel“ von Neuem.

Versuche dich wenn möglich Stück für Stück auf dich selbst zu konzentrieren… werde dir deiner eigenen wirklichen Bedürfnisse klar und überlege wie du diese in den Griff bekommst… ohne dies von der jeweiligen Beziehung abhängig zu machen…

Ich hoffe ich drücke mich richtig aus und du verstehst wie ich das meine…

Lg
 

TheWho

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Vielen Dabk für eure Eingaben. Ich fühle mich dadurch weniger allein bzw. Hilft die Konfrontation sehr. Wobei ich auch aufpassen muss, dass ich hier keine Programmierung á la "Du bist schlecht und verdienst nichts." verstärke. Sondern "Du hast schlechtes bewirkt. Du wirst das ändern." das ist ein langwieriger Prozess und ich klappere schon alle Telefonsprechstunden zur Annahme in einer Psychotherapie an, dir sich mir in meinem Umfeld bieten an. Es ist ein Drahtseilakt, das innere Kind in Schach zu halten und gleichermaßen die Verfehlungen restlos und unumwunden zu registrieren, wenn der Selbstwert nicht leiden soll. So ist das jedenfalls bei mir.

Nun zu euren Punkten:

Die On-Off-Beziehung war von vier Trennungen geprägt.

Erstes Mal ich. Da hat sie sehr geklammert und wir beide wussten nicht, wie uns geschieht. Ich entwickelte depressive Züge und habe mich verabschiedet. Rückzug aus der Beziehung. Ich litt darunter einen Monat und wusste gar nicht, was mit mir los war. Da wir am gleichen Arbeitsplatz waren, ging es dann wieder los.

Beim Zweiten Mal durch sie. Sie hatte schlaflose Nächte und wusste nicht, was mit ihr ist. Große Eifersucht, viel Einsamkeit. Das lag sicherlich auch an mir. Jedoch war ihre Art, mir das mitzuteilen vor allem in PMS-Phasen von druckvoller Kommunikation geprägt. Das führte bei mir sehr stark zu der Position, dass ich meine unabhängigkeit bewahren muss, weil mir die Präsentation dessen immer so vorwurfsvoll vorkam. Diese Trennung war für mich der absolute Horror. Ich glaube, auch hier liegen/lagen Triggerpunkte. Es war per Whatsapp, ein Satz, dann Vollblockade. Ich musste auf eine geschäftliche Reise und rätselte eine Woche, was ich konkret falsch gemacht habe, weil ich noch nie blockiert wurde. Ich hatte ein großes Trauma dadurch, weil ich mich wie ein Schwerverbrecher fühlte. Meine Hypothesen damals waren: Ich habe eine schwere Persönlichkeitsstörung, die mir nicht erlaubt, zu sehen was ich falsch gemacht hab. Sie hat einen anderen. Sie hat eine Persönlichkeitsstörung.

Ich schrieb ihr damals, dass ich ihr nur das beste wünsche und sie begann den Kontakt zu ihrem Therapeuten zu verstärken. Wo dann ihre starken Verlustängste als Thema durchschienen.

Die dritte Trennung war routinierter. Sie war einvernehmlich, kürzer und insgesamt verlor ich - unreflektiert - den Glauben an uns. Denn sie teilte mir mit, dass sie in der kurzen Phase des Off (ca. 2 Wochen) mit ihrem Ex-Freund, der sehr schnell auf der Matte stand (Vater eines ihrer Kinder) einen Tanzkurs begonnen hatte. Und diesen hatte sie heimlich auch weitergeführt, während wor zusammenkamen. Sie berichtete mir dies. Aber Vertrauen war dadurch natürlich noch schwieriger.

Die letzte habe ich geschildert.

Ich glaube, der feine Unterschied ist nun: Ich bin an dem Punkt, an dem sie damals war. Ich erkenne mich mehr. Muss mich ändern. Denn tief in mir, träume ich von zusammenleben. Und habe schlicht Angst, dass man dann merkt, was ich für ein schwieriger Mensch bin. Wenn ich diese Ängste jedoch auf basale Situationen herunterbreche und nicht so verkopfe, dann merke ich, dass man an sich arbeiten kann. Verdrängung fällt leichter, wenn man die Ausrede "Das ist zuviel!" hat. Wenn man jedoch die kleinen Momente bespricht, so denke ich, vor denen ich mich fürchte, kann das gelingen.

Für die Art und Weise, wie ich die Trennung begründet habe, habe ich mich sehr ausführlich entschuldigt. Ich habe da viel Scham und Schuldgefühle. Und lerne damit zu leben. Es ist unerwachsen und sehr irrational, dem anderen zu sagen "Mit mir wirst du unglücklich." das kann der andete stets und ständig selber entscheiden. Aber das herauszufinden, war auch erst durch die Trennung möglich. Dass diese Trennung egoistisch und ein Vertrauensbruch ist, ist mir absolut bewusst. Auch daher empfand ich es als erste Pflicht eine Auflistung mit meinen Verfehlungen zu machen und zu kommunizeren. Daher habe ich auch sehr intensiv und viel gelesen und mit Methoden begonnen, mich selbst mehr zu spüren und nicht mehr zu verdrängen. Und auch deshalb habe ich versucht, transparent zu machen, wie ich gedenke mit meiner Unart diesbezüglich tranpsarenter, weniger egoistisch und vor allem weniger ängstlich umzugehen.

Ein Beispiel für meine Vermeidung: Wenn es um das Thema Zusammenleben ging, waren wir uns einig, dass die Kinder in 4 Jahren raus sind. Vorher brauchen wir da keine gemeinsame Wohnung zu realisieren. Und dennoch plagten mich schon Ängste, dass ich nicht kompatibel für ein Leben zusammen bin. Ich war so oft launisch (Warum bzw. wie ich damit eher umgehen muss, bearbeite ich derzeit), ich habe Angst gehabt ganz billige Aspekte meiner Lebensgestaltung (Rauchen, Alleine sein, mit Freunden sein) aufgeben zu müssen. Wenn ich diese Punkte so durchgehe, hätte ich das alles auch in Ruhe besprechen können und sie hätte dann ja immernoch sagen können "Du, ich will das/dich nich." aber meine Ängste führten dazu, dass ich dem zuvorkommen musste, um nicht verletzt zu werden.

Schon sehr verkorkst. Immerhin habe ich einen Ansatz gefunden, mein Verhalten zu verstehen. Statt wieder zu sagen "Sie ist halt nicht die richtige." und diesen Fehler wieder und wieder zu machen.
 

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Hi!
Oh das klingt aber sehr dramatisch. Aber danke für deinen Beitrag! Mein Mitgefühl habt ihr. Ich kann dir leider nur genau das raten, was dir vermutlich alle raten werden: Kein Kontakt.
Das klingt so dermaßen überhitzt alles, dass es erstmal runter kühlen muss. Und wie du ja sicher schon gelesen hast, wird dir diese Zeit nützen. Ihr beschäftigt euch ja bereits mit dem Thema und da gibt es am Anfang auch viel, womit mal sich erstmal alleine befassen muss, außerhalb des permanenten Beschusses, der in einer Beziehung stattfindet, die schon in so einer Dynamik drin steckt.
Im Grunde hast du ja alles richtig rüber gebracht: Du willst an dir arbeiten
und am liebsten mit ihr zusammen sein.
In dieser, für das Nervensystem extremen Situation, äh Trennung, habt ihr euch ja quasi gegenseitig eure tiefsten Verletzungen gezeigt und habt dann die alt bewährten Strategien genutzt: Flucht und Abwehr, weil es ein krasses Risiko ist, etwas preis zu geben das so verletzlich ist und beschämend, etwas zu präsentieren, das als Nicht-der-Norm-entsprechend gilt.
Jetzt bleibt ihr erstmal in euren gut ausgebauten Stellungen und überlegt, wie ihr mit euch selbst Frieden schließen könnt, denn wirklich verschwinden werden die Wunden aus der Vergangenheit nie. Die Bindungsängste werden nicht verschwinden, aber ihr könnt lernen, damit umzugehen und der erste Schritt ist getan: Die Wunden zeigen.
Dann kommt ihr irgendwann aus eurem Loch gekrochen, erholt, geht aufeinander zu und geht in die nächste Phase der Achterbahnfahrt. Da muss man halt wirklich Bock drauf haben, aber wenn's klappt, werdet ihr eine Tiefe gewinnen, die euch voll abholt.

Ich bin mit dir einer Meinung - eine stanni Ex-Zurück-Strategie erscheint mir hier fehl am Platz. Warum aus dem Kopf heraus taktieren? Du musst in dein gutes Gefühl kommen. Allerdings dennoch Anteile deiner Gefühle im Zaum halten, nämlich deine eigene Verlustangst, die dich dazu verleiten möchte, dramatische E-Mail oder sowas zu verfassen, in Momenten in denen du glaubst, dir würde die Kontrolle über sie entgleiten. Das wirkt nämlich verwirrend. Ich könnte dich nicht ernst nehmen, wenn du erst Schluss machst und dann 2 oder 3 Wochen später mit der "großen Erkenntnis" ankommst und zurück rudern willst. Beim ersten oder zweiten mal vielleicht, aber nach einer ausgeprägten On-Off-Historie nicht.

Ich könnte da jetzt noch viel schreiben, aber ich denke, das reicht. Lass es soweit runter kühlen, bin du keine Angst mehr vor überschießenden Gefühlen (ihrerseits) hast und sie wird so lange runter kühlen, bis sie einen möglichen Verlust verkraften könnte (was nicht bedeutet, dass du ihr gleichgültig wirst). Im Hintergrund wirkt da ja auch noch ein ganz fieser Hormoncocktail, der euch die Sinne raubt.
Was beduetet hierzu "In ein gutes Gefühl kommen?" ich mache viel Reine mit mir selbst. Und bin da auch schonungslos, weil ich nicjt weiter Verdrängen sollte. Ich merke, dass mir Zeit mit anderen, darüber reden, Sport sehr hilft. Meinst du das auf der Ablenkungs/Verhaltensebene?

Für mich gilt aktuell der Grundsatz, keine Beziehung, ehe ich keine Bedienungsanleitung für mich selbst formulieren kann. Mit allen Verdrängungsstrategien, Ängsten etc.

Sie weiß dennoch sehr viel über mich. Und ist nach gründlichem Check, definitiv eine wichtige Bindung für mich. Und weil sie so ein Gespür hat, vertraue ich ihr im Gegensatz zu wenigen anderen Menschen. Das liegt an meiner Biografie. Das braucht aber noch, ehe ich daran komme. Ich habe in den letzten zwei Wochen zwei Bücher zu den Themen verschlungen und widme mich nun "Das Kind in dir muss Heimat finden" von Stahl, um da das Gespür für meine Blinden Flecken und Verweigerungen zu verbessern, damit das nicht nur meine Beziehungspartner merken. Dass ich mich und sie sabotiert habe und ich statt weiterzuziehen daran festhalte, ist für mich ein wichtiger Schritt aus dem Sumpf zu kommen.

Ich kann nur das anbieten und das ist nicht gerade attraktiv. Aber ich glaube, ein Mensch wie ich, der von ihr geliebt wurde, ist vielleicht immernoch liebenswert, wenn er seine Probleme offenbart und dies auch zukünftig zum Thema machen will.
 
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JanS

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Ich kann nur das anbieten und das ist nicht gerade attraktiv. Aber ich glaube, ein Mensch wie ich, der von ihr geliebt wurde, ist vielleicht immernoch liebenswert, wenn er seine Probleme offenbart und dies auch zukünftig zum Thema machen will.
Ja definitiv! Ich würde meiner Ex-Partnerin total gerne sagen, dass sie für mich stets mehr war, als ihre bekloppte Seite und dass es mir eine Ehre war, die Verrückte in ihr zum Vorschein zu bringen.

Also: Du bist mehr als dein Trauma, das sieht jede(r)

Und was ist attraktiver, als Menschen, die ihren Scheiß aufräumen?
 

JanS

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Was beduetet hierzu "In ein gutes Gefühl kommen?" ich mache viel Reine mit mir selbst. Und bin da auch schonungslos, weil ich nicjt weiter Verdrängen sollte. Ich merke, dass mir Zeit mit anderen, darüber reden, Sport sehr hilft. Meinst du das auf der Ablenkungs/Verhaltensebene?
Mir dem "guten Gefühl" meine ich, das Gefühl, was du für deine Freundin übrig hast, wenn all die Nebengeräusche weg sind. Erst dann wirst du aus deinem echten Wunsch heraus entscheiden, was du willst. Das finde ich besser, als jetzt eine Art Strategie zu entwerfen, die nicht zu deinem Innenleben passt
 

TheWho

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Danke erstmal an alle, die sich hier die Mühe machen und das Drama reinziehen.

Zum 'Guten Gefühl' - ich hatte die Idee auch schon, aber wahnsinnig Angst davor, dass es meinen Überwind-Akzeptier-Hoffnungsabbau-Prozess verlangsamt... Weil sich das Gute Gefühl aus meiner Sicht (noch?) an ihren tollen Seiten festmacht.

Aber ich denke mir, es könnte auch Selbsterkenntnis tragen, wenn ich eine Liste 'Jetzt' mache und dann eine Liste in drei Wochen, mit Dingen, die ich vermisse und vermissen werde. Und dann in sechs Wochen darauf schaue.

Gott... Was für Zeiträume. Ich glaub, ich bin in den letzten drei Wochen sieben Jahre gealtert. Also rein so von dem Gefühl, wie Zeit vergeht. Aushalten ist kacke.

Vielleicht sollte ich das lieber bald stichpunktartig angehen, ehe es mir aufgrund von Verdrängung flöten geht. Also eine umgekehrte Liste zur 'Mängelliste', um mich zu prüfen und später mit stolz geschwellter Brust mal zu sagen "Daran durfte ich teilhaben!" mal sehen wie allgemein oder wie speziell sie ist. Uns gleich meldet sich der innere Perfektionist: 100 Dinge sollten dir schon einfallen.

Es ist eine nützliche Technik auf dem Weg zur Bedienungsanleitung für mich. Weil ich erkennen kann, was ich möchte und was ich brauch.

Gute Idee! Und durch den Abbau der Hormone komme ich da nach zwei- bis dreimaliger Prüfung sicher zu guten Erkenntnissen.
 

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Ich hatte nun gestern eine psychotherapeutische Sprechstunde. Es war ein ziemlicher Kampf, einen solchen Termin zu bekommen.

Die Aussichten sind dadurch etwas realistischer für mich. Ich habe einen Befund und eine Behandlungsanweisung. Allerdings wird das eine längere Krankmeldung nach sich ziehen und mein Job - den ich in den letzten Wochen leider mehr unkonzentriert ausüben konnte - steht dadurch vermutlich auf der Kippe. Andererseits hat mich dieses "Du musst nur die Zähne zusammenbeißen" ja auch letztlich zu meinem Befund geführt. Ich habe so unglaublich viel geweint. Wirklich, wirklich viel.

Interessanterweise hat der Therapeut gefragt, wie ich fühlen würde, dass ich meine Ex-Freundin so liebe. Ich erzählte ihm zunächst, dass das eine Frage ist, die mich mit Angst erfüllt, weil ich unter der totalen Kontaktsperre sehr leide und alles was mich mit ihr konfrontiert, mir wahnsinnig Herzklopfen bereitet. Aber andererseits wurde mir das nun von zwei Seiten geraten. Also ein bisschen dreht es sich ja um das "Gute Gefühl". Dinge, die völlig außer Zweifel für mich sind. Aspekte, die ich - selbst wenn sie mich aktuell quälen - auch dann vermag als unzweifelhaft schön zu spüren. Bittersüß eigentlich. Also zählte ich auf...

- Ihr stetiges Zutrauen trotz meiner Art
- Ihr Wille
- Ihr toller Humor
- Ihre fühlige Art
- Ihre Bereitschaft da zu sein
- Ihre Werte
- Ihr reicher Erfahrungsschatz
- Ihre künstlerischen Fähigkeiten
- Ihr wahnsinnig schöner Mund
- Ihr toller Körper
- Ihr Wissbegierigkeit
- Ihr Fleiß
- Ihr Ideenreichtum
- Ihre Sachlichkeit
- Ihre Art körperliche Zuneigung zu zeigen
- Ihre Sportbegeisterung

Danach heulte ich eigentlich durchgehend in der Sitzung. Das war ziemlich überfordernd, weil ich in der Weise seit vielen, vielen Jahren nichtmehr geweint habe / weinen konnte.

Nun ändert das alles nichts an der Situation selbst. Aber es sind Punkte, die mir dann für mich auch den Weg ebnen können, für etwas - das zwar als vergangen registriert werden muss - zu kämpfen, solange ich soviele Schwierigkeiten, Zwänge und Ängste habe, für mein eigenes Wohlbefinden zi kämpfen. Es ist etwas Schönes, für das es sich lohnt. Von dem ich weiß, dass es existiert.

Alles in allem haben meine Schlafprobleme extrem zugenommen. Und auch mein anstandshalber erhobenes Haupt wird immer schwieriger zu halten. Ich habe eine diagnostizierte mittelgradige Depression, die wohl an der schweren Depression kratzt.

Und auch die Aussicht, diese Behandlung nun anzugehen, ist noch nicht so richtig angenehm und erfüllt mich eher mit Angst.

Ich hätte das schon viel eher angehen müssen. Vielleicht wäre es dann anders gekommen. Das ist so die eine Seite der Medaille. Sie hat ingsesamt drei. Die zweite ist: Irgendwie hat sie mich in der Phase allein gelassen, wo ich wirklich mal Hilfe brauchte. Klar, ich wundere mich da nicht. Und die dritte Seite, die beides zusammenführt: Ich bin zu spät. Deutlich später als sie, anzuerkennen, dass sie mit mir nicht glücklich wird.

Andererseits waren ihre Bedürfnisse immer: Stabilität, Sicherheit. Etwas, was ich mit dem vorläufigen Ergebnis (reaktive Depression mit somatischen Symptomen, Angst- und Zwangsverhalten einhergeht; Verdacht auf rezidivierende Depression mit ähnlicher Symptomatik) wohl auch während einer Behandlung nicht bieten kann. Ich spüre, dass diese Erkenntnis in mir reift... Dass meine Expartnerin bei aller Liebe, allen Schuldgefühlen mich nicht sucht und mich nicht in ihrem Leben braucht. Wahrscheinlich ist das etwas, was ich nie zur Kenntnis nehmen konnte, weil ich gar nicht eingestehen konnte, wie ich wohl bin.

Ich hab auch ein Problem: Ich bin schwach geworden und habe ihr zur Heilung ein paar Warmhaltesocken für ihre Füße bestellt. Sie hatte immer kalte Füße, die ich gerne massiert habe. Es war heute 4 Uhr morgens und ich lag verzweifelt im Bett. Und als ich dann den Tag nach dem üblichen Kaputtsein etwas in mir habe ankommen lassen, merkte ich, wie schlecht das bei ihr ankommen könnte. Und da konnte ich schon nichtmehr stornieren.
 
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JanS

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Mann ich würde dich am liebsten in den Arm nehmen. Das ist echt ein Brett.

Da steckt so viel Zuwendung und Liebe in deinem Text und gleichzeitig so viel Last.

Du bist da aus Selbstliebe und Liebe zu deiner Freundin einen riesen großen Schritt gegangen, dich deiner Angst zu stellen. Chapeau!
 

TheWho

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Das ist lieb von dir. Ich mache es ein (klitzekleines) bisschen auch, um in diesem Forum 'die andere' Seite anzubieten. Ich glaube, zu sehen, wie sehr sich der Ex-Partner krümmen kann - zumal ich hier viele psychische Erkrankungen hinter den Trennungen vermute - nachdem er sich aus Leidensdruck trennt. Und dass es nicht nur Unglück auf einer Seite gibt.

Bedingung ist aber: Die Verdrängung hört beim Trennenden auf.
Traurige Konsequenz ist jedoch: Ein happy Ex-Back ist ziemlich unwahrscheinlich, wenn der/die Partnerin eine psychische Krankheit hat.

Insgesamt erscheint mir Ex-Zurück ist aus folgendem Grund so unwahrscheinlich: Der eine muss seine Akkus wieder aufgeladen haben und nicht in der Kontaktsperre so versauert sein. Der andere muss imstande sein, seine Veränderung glaubwürdig entlang seiner Taten und Worte zu kommunizieren. Verwendet er zuviele Worte, wiederholt sich das Spiel und er macht sich unglaubwürdig. Sind es zuviele Taten, ist er/sie nichtmehr verfügbar.
 

JanS

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Weise Worte mein Gutster.
Und ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du "deinem Lager" hier die Fahne hoch hältst. Mir hilft das sehr, denn auch wenn unsere Ausganglage eine andere ist - meine Ex-Partnerin hat nämlich nicht wie du, die Aussage getätigt, dass sie unserer Beziehung wegen, an sich arbeiten will - , erfüllt es mich mit allgemeinem Optimismus, dass es auch Menschen gibt, die sich nicht an Beziehungen entlang zum Zustand des geringsten Energieaufwandes hangeln und dabei ihren Weg mit gebrochenen Herzen pflastern.
Die Gründe, weshalb du es für unwahrscheinlich hälts, dieses Ex-Zurück Ding, verstehe ich zwar, unwahrscheinlich finde ich das in deinem Fall jetzt aber nicht. Du arbeitest an dir und sie wird auch nicht ewig in ihrem Loch hängen bleiben. Die klimatischen Grundvoraussetzungen für den Druck, den du verspürst, beruhen doch bestimmt ein Stück auf der Gegebenheit, dass sie nicht hinter der Tür wartet, bis du dein Geschäft erledigt hast und dich dann mit offenen Armen empfängt, sondern darin, dass du dir jetzt ordentlich den Hustle geben musst um sie dann VIELLEICHT wieder zu bekommen. Deswegen ja die KS, oder? Was sie in der Zeit macht, wissen wir nicht. Hoffentlich zu Kraft, Optimismus, Realismus und ihrem inneren Ursprung zurück finden. Das braucht sie. Die hat ja schließlich 2 Kinder, die sehen wollen, wie ihre Mutter Probleme löst und für ihr eigenes Wohl sorgt.
 
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CrystalSnowWhite

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Ich finde deine Geschichte sehr berührend und ich lese gerne weiter mit. Die Konstellation ist bei meinem Ex und mir sehr ähnlich. Allerdings lehnt und wertet mich mein Ex ab, da ich die "Schuldige" für ihn bin, die nicht genug an sich arbeitet. Seinen Anteil sieht er nur zu einem kleinen Teil. Es ist schön zu lesen, dass es auch anders geht. :herz:
 

TheWho

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Haha, schön wäre es. Den Optimismus hatte ich irgendwann schonmal.

Ich glaube, wenn das Umfeld mitbekommt, wie man an einer Beziehung zu Grunde geht, dann ringt es einem sicher das Versprechen ab, dass man nie wieder - und bettelte die Liebe noch so sehr - wieder zurück kommt. Das macht ihre beste Freundin, ihr Therapeut, ihre Kinder, ihre Schwester. Ich haben mich da auch zu wenig blicken lassen, als dass ich Fürsprecher hätte.

Sagen wir, es ist gefühlte Sicherheit. Sicher musste ich mich bei allem Durcheinander für eine Version entscheiden: Hoffnung oder Begräbnis.

Und selbst, wenn man sich für eine der beiden Varianten entscheidet, dann ist da ja im Begräbnis immer etwas Hoffnung. Und jede Hoffnung könnte potenziell auch mal ihren letzten Gang erleben.

Also Sicherheit gibt es nicht.

Ich lasse ich aktuell das 'Vielleicht' nicht zu. Diese Ambivalenz führt derzeit ins Verderben. Ist ein bisschen wie im Elfenbeinturm oder man stellt sich vor, man wäre ein Aussätziger. Der kann jedenfalls nichts mehr falsch machen.

Ich glaube außerdem, sie will in ihrem Leben nicht warten. Das hat sie fast zwei Jahre gemacht.

Und es wurde m.E. in diesem Strang erwähnt, dass man solche Verletzungen nicht vergessen kann. Also selbst bei Meldung, wird es da kein beidseitiges Aufflammen geben.

Meine aktuelle Prognose: Sie meldet sich vielleicht. Das schafft sie nur, wenn sie abgeschlossen hat - die Gefahr quasi gebannt ist. Ich hab Herzen in den Augen und laufe in eine verminte Friendzone, weil sie entschlusskräftig ist und höllisch aufpasst, dass ich keine falschen Bewegungen mache.

Dennoch geht es mir da wie jedem Krieger: Selbst, wenn da ein Minenfeld wartet, musst du da hinein. Weil es die Sache wert ist. Oder andersrum, die Sache aufzugeben ist schlimmer als eine Mine.
 
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JanS

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Ich glaube, wenn das Umfeld mitbekommt, wie man an einer Beziehung zu Grunde geht, dann ringt es einem sicher das Versprechen ab, dass man nie wieder - und bettelte die Liebe noch so sehr - wieder zurück kommt. Das macht ihre beste Freundin, ihr Therapeut, ihre Kinder, ihre Schwester. Ich haben mich da auch zu wenig blicken lassen, als dass ich Fürsprecher hätte.
Bloß nicht paranoid werden! Wer will, der überwindet solche Widerstände mit Leichtigkeit. Wer innere Prozesse tiefgreifend durchlebt, der kann das auch nach außen für alle nachvollziehbar rüber bringen.
Ich glaube außerdem, sie will in ihrem Leben nicht warten. Das hat sie fast zwei Jahre gemacht.
Da drückt sich doch nur deine Ungeduld drin aus. Du machst gerade große Schritte und denkst vielleicht jetzt könnte es klappen, ich kämpfe doch so hart, aber du wirst auch wieder Rückschläge erleben und lieber trittst du ihr gegenüber, wenn du wirklich "besser" geworden bist, als so mittelgut. Sorry - etwas flach.
Und es wurde m.E. in diesem Strang erwähnt, dass man solche Verletzungen nicht vergessen kann. Also selbst bei Meldung, wird es da kein beidseitiges Aufflammen geben.
Ja, kann sein, dass man sowas nicht vergisst. Überschreiben lässt sich aber alles. Das Problem ist ja auch, dass man sich dieses "Zurück" garnicht vorstellen kann - jetzt gerade. Man vermag es nicht. Ihr seid ja beide vermutlich mal noch nicht an der dafür erforderlichen mentalen Ausgangsposition angelangt.
Meine aktuelle Prognose: Sie meldet sich vielleicht. Das schafft sie nur, wenn sie abgeschlossen hat - die Gefahr quasi gebannt ist. Ich hab Herzen in den Augen und laufe in eine verminte Friendzone, weil sie entschlusskräftig ist und höllisch aufpasst, dass ich keine falschen Bewegungen mache.

Dennoch geht es mir da wie jedem Krieger: Selbst, wenn da ein Minenfeld wartet, musst du da hinein. Weil es die Sache wert ist. Oder andersrum, die Sache aufzugeben ist schlimmer als eine Mine.
Ja weiß nicht. Das kann sein. Es sind aber auch andere Optionen denkbar. (A) Sie meldet sich aus irgendeinem Grund, weil sie wieder zu Kräften gekommen ist und es wieder mit dir aufnehmen kann oder (B) du meldest dich irgendwann und lieferst einen Gesamteindruck, der ihre Zweifel zerstreut, weil du so ein geiler Typ geworden bist.

Der 2.Teil meiner Beziehung war ein einziges Minenfeld, weil sie dachte, sie darf ihre Abwertungstendenzen nicht mehr einfach so rausballern, sattdessen in sich reingefressen hat, mit der Frage "was stimmt nicht mit mir?" und ich dachte, ich darf sie nicht drauf ansprechen, oder näher rücken, wenn ich merke, dass sie mal wieder in einer Distanzphase ist, bzw. ich muss sie genau dann zu einem Comittment zwingen. Das hätte leicht umgangen werden können, hätten wir besser, also schambefreiter kommuniziert.
 

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Okay... Weil ich gerade sehr knapp der Versuchung entgangen bin, ihr zu schreiben, probiere ich mal, einfach die Mail hier rein zu setzen... Irgendwo müssen diese Gedanken hin. Also ventilieren. Vielleicht habt ihr ja auch Tipps, wie meine Kommunikation zukünftig entspannter/druckfreier geht. Irgendwie ist mein Liebesbrief-Stil, wenn es um diese altruistische "Ich bleib dir fern"-Liebe geht so schnörkellos.

Nochmal kurzer Hinweis:
Es geht bei mir weniger um Ex-Zurück, sondern um "Danke sagen" und auch abschließen. Ehrlicherweise kriege ich meinen Hoffnungen nicht unterdrückt. Aber so rational ist die Sache durch.


Hallo Exfreundin,

ich weiß, ich soll mich nicht melden. Und alle raten mir davon auch strengstens ab.
Es gibt jedoch etwas, was mir wichtig ist, dass du weißt, weil ich mir irgendwie vorstelle, dass es dir bei der Heilung hilft.
Im Zuge von Besuchen bei einer Psychotherapeutin habe ich den Befund einer "mittelgradigen Depression mit ängstlichem und zwanghaftem Verhalten mit negativem Selbstkonzept" bekommen. Sie meinte, es fehlten wohl nur noch die suizidale Tendenzen für den schweren Grad.


Das bedeutet nicht, dass das jetzt irgendeine Entschuldung für mein Verhalten sein soll. Sondern vielmehr, dass du sehr, sehr, sehr richtig mit deinen Gefühlen und Eindrücken gelegen hast. Du hast ganz ausdrücklich meinen Dank verdient.

Ich bin dir zu großem Dank verpflichtet, weil ich, ohne deinen wirklich außerordentlichen Einfluss auf mich, mein Leben wahrscheinlich noch sehr viel länger mit einer schweren Krankheit weitergeführt hätte, ohne etwas dafür oder dagegen zu unternehmen. DAS hat bisher wirklich niemand in meinem Leben vermocht. Einzigartig! An der Stelle hast du viel tiefer in mich hineingesehen und mir mehr zugetraut, als alle andere Menschen. Dass du dich auf ein Gespräch mit mir eingelassen hast, nachdem ich mich getrennt habe und du dich da so gequält hast - das war nicht dumm oder irgendwie schwach von dir. Das war echt stark. Da hast du vielleicht mein Leben mit gerettet. Und natürlich ist es viel zu viel verlangt, dass du dich dann auch noch um mich kümmerst. Das musst du wissen, dass ich das so sehe. Es ist zwar eine tolle, romantische Fantasie von mir gewesen, dass wir den Weg zusammen gehen könnten. Aber Teil einer Depression ist auch, dass man so unendlich viel in Gedanken um sich selbst kreist und keinen Moment Ruhe finden kann und daher so wenig Augen für die Bedürfnisse der Wunsch-Partnerin haben kann. Ein bisschen kommt so auch diese Mail zustande. Sie lindert einfach etwas bei mir. Und ich hoffe, sie reißt dich nicht so sehr in den Verletzungsstrudel. Du musst auch gar nichts antworten oder schaffen! Das hast du nämlich schon.


Das Leben macht schon fiese Sachen. Ich verstehe auch, dass dein Vertrauen, deine Hoffnungen, das Rest-Zutrauen deines Umfeldes und deine Gesundheit sich erschöpfen mussten. Es tut mir nach wie vor leid, dich so belastet zu haben. Auch wenn es für mich - nimm es mir bitte nicht übel - wahnsinnig schön war, so geachtet und geliebt zu werden. Ganz ungewohnt. Ich komme nicht umhin dir recht zu geben, dass wir aufgrund deiner und meiner Verfassung in einer kraftraubenden zwischenmenschlichen Beziehung waren. Und dass wir beide unser Bestes gegeben haben. Es tut mir auch unendlich weh, weil du so ein schöner Mensch für mich bist.

Und auch, wenn die Behandlung - sofern die Warteliste für die Tageskliniken in Heimatort sich nicht dramatisch ändern wird - noch lange auf sich warten lassen und einen ziemlichen Einschnitt in mein berufliches Leben bedeuten wird, ist es mir wirklich ein Herzensangelegenheit, dir für die vielen Hinweise, deinen Glauben an mich, was du in mir sehen konntest, deine treue Liebe und all deine unzähligen Anstrengungen es mir irgendwie leichter zu machen, schon jetzt zu danken. Ich überbrücke mir diese Wartezeit und vor allen den Zweifel an dem - für mich großen Schritt - damit, dass du soviel investiert und ausgehalten hast.

Man sagt ja, dass wer sich nicht selbst liebt, der kann auch niemanden anders lieben. Irgendwie funktioniert das hier auch andersherum. Wer geliebt wurde, der findet darin Zutrauen, auch sich lieben zu wollen. Für mich bedeutete dieser Befund irgendwie ganz viel. Das, was ich habe, hat einen Namen. Ich erkenne dadurch auch, dass all meine Versuche, jemand für dich zu sein, (der ich wirklich so gerne gewesen wäre!), überhaupt nicht fruchten konnten, solange da meine Krankheit ist. Das ist sehr befreiend und beängstigend zugleich. Ist ja jetzt keine Freudennachricht - aber andererseits entpannt mich das mal für Momente.

Ich finde nach wie vor, dass du ein wahnsinnig toller und begehrenswerter Mensch bist. Und es spricht so unendlich für dich, dass du so lange an mir festgehalten hast. Und ich bin noch so voller Sehnsucht, auch Angst vor dem Moment dich mal zu treffen und dir dann nicht nahe sein zu können/dürfen/sollen. Und es wird noch so lange, vielleicht ja auch für immer dauern, bis ich dich nichtmehr liebe. Und es sind noch wahnsinnig viele schlaflose Nächte. Aber das liegt eben auch daran, dass du meinem Leben diesen irrwitzigen Knick gegeben hast, der mir vielleicht eine ruhigere und nicht so sau-angespannte zweite Lebenshälfte bescheren wird.

Du hast mich gerettet, weil ich mit der Krankheit schon lange herumlaufe aber es erst durch unsere Zeit und den gewaltigen Leidensdruck, der darauf folgte, anerkennen konnte, das wirklich etwas passieren muss. Das ist ein gewaltiger Schritt für mich. Eigentlich unbeschreiblich.


Und ich wollte, dass du das erfährst. Ganz lieben Dank für diese Gelegenheit! Riesendank für die Gefühle, die du mir entgegengebracht hast. Denn letztlich hat das Ausbleiben in mir hervorgerufen, dass ich mich ganz doll fragen musste: Wieso bleibt das aus? Was stimmt mit mir nicht? Und weil deine Gefühle so ein großes Gewicht hatten, war dann auch der Leidensdruck außerordentlich.

Natürlich würde ich total gerne wissen, wie es dir geht. Aber ich schätze mal, dass das genug von mir für mindestens eine Woche war ;)

P.S.
Ich habe dir in einer der schlaflosen Näche aus Versehen rosa Wärmesocken bestellt und kriege sie nicht storniert. Ich weiß, wie sehr es dich momentan verletzt mit irgendwas von mir konfrontiert zu werden. Schenk sie deiner Mutter oder so, wenn du sie lieber nicht um dich herum haben magst. Aber eine Bindung einfach so abzuhacken kriege ich momentan nicht hin. Ich brauche da immer mal ein klitzekleines Ventil. Bitte verzeih mir das! Das war ganz ohne böse Absicht oder wegen mangelnden Anstands.

Dein,
Exfreund
 
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Eisvogel100

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Ganz ehrlich?

Warum respektierst du ihren Wunsch nach Kontaktsperre nicht? Sie hat es dir direkt mitgeteilt, sie hat es dir über eine Freundin mitgeteilt und du setzt dich drüber hinweg. Worum geht es dir denn eigentlich?

DU hast dich getrennt, nicht sie. Sie hatte nach dem permanenten On-Off jetzt vermutlich die Nase voll und es ist ihr auch nicht zu verdenken. Sie hat sich einmal von dir getrennt und diese Trennung interpretiere ich so, dass sie sich damals schon etwas mehr Verbindlichkeit gewünscht hat und deshalb ging.

In dem Brief schiebst du ihr permanent Gründe hin, warum du nicht anders konntest und dass du dich trennen musstest, weil IHRE Gefühle so groß waren. Nein, noch schlimmer: Du schiebst ihr zusätzlich noch die Verantwortung „deiner“ Rettung zu. Ein Partner ist aber nicht dafür da, dass er dich rettet. Dafür bist du und nur du allein selbst zuständig.

Drama, Drama, Drama. Jetzt komm mal runter und krieg deine Baustellen in Griff, statt in Selbstmitleid zu zerfließen.

Ich glaube außerdem, sie will in ihrem Leben nicht warten. Das hat sie fast zwei Jahre gemacht.

Und es ist ihr nicht zu verdenken, dass sie aus diesem Muster ausbricht.

Tut mir leid, wenn ich so hart mit dir umgehe, aber in deinem Text ist soviel „ich, ich, ich“ und jetzt bei dieser Trennung merkst du, dass du mit deiner bisherigen Tour nicht mehr durchkommst und sie dich diesmal nicht mit Freuden zurücknimmt, darum erst jetzt der Gang zum Psychologen.

Geh deine Baustellen an und kontaktiere sie jetzt erst mal nicht. Sie ist nicht deine Mama und auch nicht deine Therapeutin, sondern ein Mensch mit Bedürfnissen und wie du erkannt hast, kannst du die auch gerade nicht erfüllen.

Bei dir lese ich bislang nur Maßnahmen, mit denen du dir einen Ablass für dein Verhalten einholst und das zu versenden, geht meines Erachtens nach Hinten los.

Ich spreche dir nicht ab, dass du leidest, aber eine Trennung (die erste, zweite, dritte) will gut überlegt sein. Jetzt bei Trennung Nr.4 reagiert sie anders als bisher und nimmt dich diesmal nicht aus Liebe zurück. Weil Liebe manchmal nicht reicht.

Gib ihr die Zeit, die sie braucht, denn das ist Liebe. Nicht das versehentliche Bestellen von Socken.
 

Anariel

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811
Najaaaa, @Eisvogel100 ... @TheWho hat den Brief ja nicht abgeschickt. Allein ihn zu schreiben ist ja jetzt noch kein Bruch der Kontaktsperre. Und solche Gedanken loszuwerden, dafür ist das Forum ja auch da.

Wo ich allerdings zustimme und was ich auch gerne als Gedankenstoß äußern möchte Ich sehe in deinem Denken da zwei Stellen, an denen du dich auf schwieriges Terrain begibst. Das Eine ist: Du stilisierst sie gerade zu deiner Retterin. Um die Rolle hat sie nicht gebeten und das schiebt ihr tatsächlich eine Verantwortung für dein Wohlbefinden zu, und am Ende ikonisierst du damit auch Verhalten von ihr, was ihr offensichtlich nicht gut getan hat. Es war nett von ihr, dass sie sich auf das lange Gespräch mit dir noch eingelassen hat, ja. Das hat sie Kraft gekostet und du kannst dafür dankbar sein. Aber letztendlich hat es ihr nicht gut getan, und die Tatsache, dass sie das trotzdem getan hat, als sowas "Heiliges" hinzustellen, wäre ihr gegenüber nicht gut, schadet aber auch deiner eigenen Weiterentwicklung. Sie hat dir gute Denkanstöße gegeben - ja. Sie ist nicht deine Retterin. Der Prozess jetzt liegt in deiner Hand und dass er in Gang gekommen ist, liegt daran, dass dein eigener Leidensdruck zu groß geworden ist.

Und das Andere ist: Ich finde es wirklich toll, dass du gerade mit dir selbst so weiterkommst, dass du auch eine Diagnose hast, und das ist wahrscheinlich lange überfällig. Und es ist wirklich, wirklich gut, dass du jetzt diesen Namen für deinen Zustand hast, denn dadurch wird auch Veränderung greifbar und du kannst vielleicht auch einfach etwas milder mit dir selbst werden. Es bleibt aber trotzdem übrig, dass nicht deine Krankheit sich von ihr getrennt hat, sondern du. Ich erzähle jetzt nicht, welche Alternativen du gehabt hättest, das weiß ich wirklich nicht, da kann ich nicht in deinen Kopf gucken... aber dein Verhalen jetzt als Symptom einer Krankheit zu sehen, hilft dir nicht bei der Selbstermächtigung.

Sie gehört nicht auf ein Podest und du gehörst nicht in die Opferrolle. Sie ist keine Märtyrerin und du bist von keinem Dämon besessen. Dir ist anhand einer schmerzhaften Trennung ein Problem bewusst geworden, was du jetzt angehst - und das ist gerade auch das allerbeste, was du tun kannst, und dafür gebührt dir jeder Respekt.


Mir ist dabei natürlich jetzt bewusst, dass dieser Brief auch sicherlich nur ein momentaner Gefühlsausdruck war und vielleicht auch stellenweise einfach etwas dramatisch ausgedrückt, und ich hoffe, du nimst mir meine Worte nicht übel - es soll nur eine andere Perspektive (und etwas Erdung) in die Sache bringen.

----------------------------
Was diese Wärmesocken angeht: Mag sein, dass Andere das anders sehen, aber da fände ich es ziemlich okay, ihr ganz kurz und sachlich einen Text zu schicken: Hallo, ich habe dir in einem schwachen Moment so Wärmesocken bestellt und konnte das dann nicht mehr stornieren. Du kannst das behalten oder weiterverschenken oder zurückgehen lassen, nur, dass du es einordnen kannst. Ich weiß, dass du sowas nicht willst und das war blöd von mir und tut mir leid.

Irgendwie sowas... ich stelle es mir sonst wesentlich unangenehmer für sie vor, wenn sie jetzt ohne Vorwarnung dieses Päckchen kriegt... und damit nimmst du auch die Sentimantalität ein bisschen raus.
 

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