Liebe Gala,
ich kann deine Gedanken sehr gut verstehen. Du suchst nach Verbindung, Bestätigung und gemeinsame Ausrichtung in euer Beziehung.
Konkret spüre ich bei dem was du schreibst eine starke Tendenz bei dir Lösungen zu suchen und diese umsetzen zu wollen. Du siehst das "Problem" und weißt genau, wie es gelöst werden kann.
Könnte man das so sagen?
Wohin jeder von seinen Aktivitäten zurück kommt, man ggf. einmal am Tag an einem Tisch sitzt und sich wenn auch nur 15-30 Minuten Zeit nimmt zum Austausch, und zumindest abends ins gemeinsame Bett geht.
Das ist eine Idee. Für dich klingt sie praktisch. Aber wie denkt er darüber?
Er hat dann weniger Rückzugsmöglichkeiten im Alltag, wo du sonst aktuell auf ihn wartest bzw. er in Distanz geht.
Es kann auch so laufen, dass es einmal am Tag keine gemeinsamen 15-30 Minuten gibt, weil er sich verdrückt. Im Hobby oder der Verpflichtung die Distanz zu dir sucht, die er durch das Zusammenleben nicht so leicht herstellen kann.
Bist du dann (wirklich) zufriedener, oder sogar richtig enttäuscht, weil du ihm praktische Sachen abnimmst und er nicht dankbar von der "freien Zeit" mehr mit dir teilt, sondern innerlich und äußerlich Schlupfwinkel für sich sucht?
Die Dynamik kennst du. Was von deiner Lösung ist realistisch und was Wunschdenken?
So könnte man auch mal zur Ruhe kommen und nicht immer nur hin und her hetzen zwischen Terminen, Wohnsitzen, Spontan Lebensmittel Einkäufen, weil nix geplant war und 3-4 Leute versorgt werden müssen. Wäsche, Haushalt da Haushalt hier.
Ich kenne das. Dieses Gehetze von Ort zu Ort und der Vor- und Nachplanung für Treffen. Ätzend!

Aber es ist auch echte geplante Paarzeit. Zeit auf die man sich freut, weil man sich nicht ständig sieht und vermisst, etc.
Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Ich behaupte, dass er derjenige sein sollte, der das Zusammenleben forciert und antreibt.
Klingt nach klassischem Klischee und ich als selbstbestimmte und eigenständige Frau mag ungern Dinge abgeben, aber der Mann sollte hier investierter sein als ich Frau, weil er dann voll bei der Sache ist und nicht "nur" bequatscht wurde.
Du meinst es gut. Du sorgst dich und siehst die Möglichkeiten, die ganz praktisch wären, etc.
Absolut verständlich. Ich bin auch oft im Gedanken viel weiter als all meine Partner es je waren.
Ich habe aber gelernt bei meinem neuen Partner diese Rolle der Macherin abzulegen.
Ich bin deswegen nicht passiv - nein, ich ziehe ihn aktiv an, indem ich mich um mich selbst drehe.
Ich manage mein Leben. Ich hab mal keinen Bock zu ihm zu fahren, weil ich was für mich machen will und es genieße mal nicht komplett mit ihm beschäftigt zu sein. In der Zeit bekommt er Raum für seine Dinge und ganz besonders die Möglichkeit mich schmerzlich zu vermissen.
Er wird angeregt sich Lösungen zu überlegen, wie wir uns unkomplizierter sehen können und hat Zeit aktiv dran zu arbeiten.
Ich rechne nicht schon in den nächsten Monaten damit und bin eher entspannt, weil die Zeit für mich arbeitet.

Es ist oft nur eine Frage der Perspektive. Ich kann überall Schwierigkeiten sehen, ich kann aus der "Not" aber auch eine Tugend machen und vor allem es mir schön machen!
Spiel ein wenig mit deinen Möglichkeiten. Männer haben einen ausgeprägten Spieltrieb.
Wie kannst du konkret den Cowboy in die Flucht schlagen?
- Unzufriedenheit - er hat das Gefühl dich nicht glücklich machen zu können
- Druck - er bekommt nicht die Chance in seinem Tempo auf dich zu zu kommen und ist überfordert
- Analyse/ helfen wollen - er ist der Mann und möchte Dinge mit sich selber aus machen und handlungsfähig bleiben
- ständige Anpassung/ Verfügbarkeit - er hat vermeidende Tendenzen und kommt gar nicht in die Not aus dem Inneren Versteck heraus zu gucken, weil er sich nicht bemühen muss
Willst du das?
Oder, willst du ein Ort sein an dem er sich wertgeschätzt fühlt, so wie er ist angenommen, wo er wirklich sein darf - auch distanziert und abweisend - weil du weißt, was du Wert bist und darauf vertraust, dass er dir nicht widerstehen kann und dadurch noch unwiderstehlicher wirst.
Ja, aber, ich habe auch Bedürfnisse wirst du sagen.
Die darfst du alle haben! Die sind wichtig.
Es sind aber deine und er ist nicht dein Papa, der dir alles erfüllen muss. Du entscheidest ob du den Mann willst mit allem was dazu gehört oder nicht.
Willst du einen Mann kreieren? Weil der Mann nicht so ist, wie er soll? Dann backe ihn dir lieber. (Kleiner Scherz. Sorry!)
Ich meine damit, dass in erster Linie du deine Wünsche erfüllst und bei Unzufriedenheit nur du es ändern kannst.
Er darf sein wie er mag. Verändere ihn und der Respekt schwindet. So ist das.
Veränderung fängt bei uns oft dann an, wenn man sich gesehen und angenommen fühlt, oder durch einen starken Leidensdruck.
Ich hoffe ihr beide nehmt euch mit allem an was ihr mitbringt. Schaut wohlwollend auf eure Unzulänglichkeiten, auch die eigenen(!), und dreht euch hauptsächlich um euch selbst, um den Partner nicht mit der kompletten Verantwortung für das eigene Wohl zu überfordern.
Denn das tut der Cowboy, er fühlt sich für dein (Un-) Glück verantwortlich.
(Wie viele Männer für ihre Frauen.)
Alles Liebe und schönen Sonntag!

Vögelchen