Wie Romantik die Liebe ruinierte

Dieses Thema im Forum "Themen rund um die Liebe" wurde erstellt von QuestionMark, 16. November 2016.

  1. QuestionMark

    QuestionMark Aktives Mitglied

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    Angenommen mit deinem Partner ist nach 20 Jahren Beziehung immer noch alles vollkommen in Ordnung. Das große Kribbeln ist zwar (notwendigerweise) weg, aber ihr konzentriert euch auf andere Werte, wie Sicherheit, Geborgenheit, intellektuelle Ergänzung oder was auch immer. Wie verhälst du dich, wenn du einen neuen Mann kennenlernst, der irgendwie ein erneutes kribbeln in dir auslösen kann? Angenommen du fühlst dich bei ihm auf einmal 10 Jahre jünger.

    Bleibst du in der langjährigen Beziehung, weil du die anderen Werte zu schätzen gelernt hast? Kann man das dann als romantische Liebe bezeichnen? Oder stellst du dich nicht eher rational gegen die romantische Liebe, da du das erneute Kribbeln ignorierst und verdrängst? Ignorieren und verdrängen, da es aus gesellschaftlicher Sicht nicht sein darf oder weil man seinem Partner natürlich nicht weh tun möchte oder weil man Angst hat die Sicherheit aufzugeben. Gründe gibt es wieder viele.

    Wann gibt man sich der romantischen Liebe in diesem Szenario bedingungslos hin und wann handelt man doch eher rational?
     
  2. Dan12

    Dan12 Aktives Mitglied

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    bombenvortrag vom precht. frei und ohne verhaspler :smile:

    schoener interdisziplinaerer streifzug durch die disziplinen. und ja, ohne jetzt selbst den staendigen hormonstand nachpruefen zu koennen ... es ist plausibel !

    die rom. liebe wurde, meines wissens nach (precht spricht das nur ganz kurz an), durch den glauben an gott geboren. es gibt auch verfechter, die sagen, liebe sei kein gefuehl, es ist eher ein trip wie auf koka ... somit koennte, sei liebe dann doch ein gefuehl, auch der trip auf koka ein gefuehl sein und kein zustand :lach: aehnlichkeiten bestehen definitiv :grins:

    manche bez halten eben aber auch - obschon sie komplett scheisse sind :lach: - weil beide schiss haben, ueberhaupt je einen anderen menschen zu finden, der mit ihnen eine bez eingeht. darueberhinaus binden eben auch kids, haus, finanz. abhaengigkeiten ueber gebuehr ! man findet arrangements ! ausnahmen gibt es immer und ueberall - ist aber zu vernachlaessigen, da nicht signifikant !

    die rom. liebe ist ein toller gedanke - doch leider scheitert es in der praxis schneller - noch bevor diese abhanegigkeiten entstehen. deshalb bauen viele auch schon in der anfangszeit ihrer verliebtheit schloesser, produzieren kids, stricken sich nen schal .. mit dem sie sich einwickeln und schaffen abhaengigkeiten ... wir menschen sind da ja ziemlich einfallsreich !!

    und eines kann ich bei ganz klar aus meiner erfahrung heraus sagen: leidenschaftliche, tolle und aufregende bez .. wo beide partner nicht so sehr auf ein bodenstaendiges (langweiliges) leben aus sind (und es "einfach laufen lassen"), zerbrechen leider viel schneller, obschon beide sich toll finden !!

    ...und marie --> precht widerspricht sich mit beweis & konjunktiv in keinster weise, so wie du das oben anfuehrst, sondern er gibt die "beweise", die die disziplin evolutionspsychologie aufstellt, zweifelnd wieder ... fuer ihn sind´s ja keine beweise - er falsifiziert diese eher im fortlauf seines vortrags !

    chapeau ... ich verabschiede mich hiermit, schweren herzens, von meinem frueheren "auftrag", die rom. liebe fuer´s leben zu finden :lach: wollt ihr einen lebenspartner ... schafft euch gemeinsame abhaengigkeiten, aus die es ohne schmerzhafte verluste fuer beide seiten kein entrinnen gibt ... dann zumindest wird es sehr viel schwerer und etwas unwahrscheinlicher, dass die bez vorzeitig dem verfallsdatum zum opfer faellt !

    dan
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2017
  3. Dan12

    Dan12 Aktives Mitglied

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    genau ... wenn du´s kannst :smile:

    ist sie auch nicht unbedingt ... da hast du evtl. recht. denn man muesste schon zum guten, alten shakespeare zurueckgehen und der hat hat quasi alles vereint in seinen werken resp. seiner dichtungen: die leidenschaftliche liebe, die rom. liebe & die unerfuellte liebe
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2017
  4. Dan12

    Dan12 Aktives Mitglied

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    letztlich isses wohl auch alles gar nicht sooo banal, wie es rueberkommen mag.
    denn es spielen als weitere wesentliche faktoren das eigene mind-set, verarbeitete altlasten und die eigene sozialisation eine evidente rolle !!

    es ist ein erklaerungsmodell ... wir menschen sind doch viel komplexer :lach:


    ..... liebe zudem ist ja auch eine entscheidung und nicht, wie die verliebtheit ein rausch ....
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2017
  5. marie

    marie Aktives Mitglied

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    Um Gottes Willen, lieber QuestionMark, bloß das nicht! Nach 20 Jahren soll es bitte mitnichten wie in den ersten 3 Jahren sein. Ich würde wahnsinnig werden:smile:

    Es wäre eine wundervolle Vorstellung, aber das würde ich nun Fiktion nennen! Natürlich ist der Zustand am Anfang berauschend, antörnend, aufregend, man schwebt förmlich. Jede Berührung von dem neuen OdB fühlt ich an als würden 1000 Volt durch den Körper schießen. Auch dann, wenn er dich nur ganz kurz berührt oder nur dich streift....uaaahhh, da werde ich verrückt ;)

    Ungeahnte Energien setze ich frei, und ich darf glaube ich behaupten, dass es uns Frauen allen so geht, wir sind dann auch im Kaufrausch. Die schönsten Dessous werden gekauft, das 20. Paar Haltlose, ein neuer BH muss her, ein neuer Nagellack, ein neuer Lippenstift. Wieso nicht gleich ein komplett neues Outfit? Ne gut sitzende Hose, der den Hintern so richtig betont und ach herrjeh, Schuhe, wir brauchen neue Schuhe. Wenn wir schon dabei sind, vielleicht noch mal frische Haarfarbe auf den Kopf tünchen.

    Wir schleppen die Tüten nach Hause, kochen uns einen Kaffee oder machen einen Prosecco/Wein auf und packen unsere Errungenschaften aus. Jetzt wird zu Hause alles anprobiert und mit den Sachen was wir bereits im Kleiderschrank haben kombiniert.

    Stellen uns vor dem Spiegel, wenn möglich holen wir noch einen Spiegel für die Rückansicht. Betrachten uns von vorne, von hinten, von der Seite. Passen die Farben zusammen? Kommt mein Hintern gut zur Geltung? Wie wirkt das Dekolleté, welche Schuhe ziehe ich, die neuen oder doch die alten? Ja, sieht ganz gut aus, aber jetzt probieren wir eine andere Zusammenstellung. Die Hose, mit den anderen Schuhen und mit der Bluse. Ah, nee, doch nicht. Ich ziehe doch das andere an, oder doch nicht? Passt der neue Nagellack überhaupt zu dem Outfit? Scheiße, wer ruft denn jetzt an? Ich habe überhaupt keine Zeit. Ahh, meine Freundin..Das Weinglas wird aufgefüllt und dann wird mit der Freundin noch mal alles genau durchgeplautscht was man denn anzieht und es wird über dem ODB getratscht. Wir erzählen unserer Freundin alles. AAALLLLEES über euch Jungs! :lach: Nach 2 Stunden legen wir ungefähr auf.

    Jetzt gehts weiter, nee, es geht von vorne wieder los. Sagte meine Freundin nicht, in der anderen Bluse sehe ich viel besser aus. Also, ab zum Kleiderschrank, es geht von vorne los. Ich schicke am besten Whatsappbilder zu meiner Frauengruppe bei WhatsApp. Dann wird darüber noch mal gefachsimpelt. Stunden versteht sich! Sollten nämlich zwei aus der Gruppe es nicht so gut finden, rennen wir wieder los zum Kleiderschrank, neues Outfit, ab zum Spiegel, Selfie von vorne, hinten, seite geschossen, in die Gruppe posten.

    Steht endlich das Outfit, setzen wir uns auf die Couch, rauchen eine, entspannen uns, gehen das gedanklich noch mal durch, sind zufrieden...Aber dann kommt auch schon der nächste Gedanke: Was ist wenn mehr passiert beim Date? Passt der BH zum Slip? Welche Haltlosen ziehe ich an? Die neuen schwarzen oder seamless. Ziehe ich überhaupt Strümpfe an? Wie sieht meine Bikinizone aus? Muss ich noch mal meine Beine rasieren? Die scheiß Fingernägel muss ich auch noch mal in Form feilen und nicht zu vergessen die Fußnägel.

    Meine Bude sieht mittlerweile aus als wäre ne Bombe geplatzt.

    Können wir überhaupt auf den neuen High-Heels gehen? Wir rennen tagelang zu Hause mit den neuen Schuhen durch die Bude. Versuchen galant darauf zu gehen, zu stöckeln, Schultern nach hinten, Bauch rein, Becken leicht vorschieben, ein Fuß nach dem anderen nach vorne setzen als würde man auf dem Strich gehen.

    Ich rede hier nur von den Vorbereitungen.:smile: Wenn das Date dann stattfindet wird vorher gebadet, geduscht, gecremt, gesalbt, geföhnt, geschminkt...

    Nein, deswegen möchte ich nicht, dass es länger als drei oder vier Jahre andauert. Das ist purer Stress, danach kannste mich in die Klapse einliefern und vor allen Dingen wäre ich pleite!;)

    DAS IST ROMANTISCHE LIEBE IM 21. JAHRHUNDERT!!!

    Lieber QuestionMark, das ist ne super schöne, geile Zeit und ich genieße sie in allen Facetten. Es ist eines der schönsten Gefühle im Leben und ich bin dankbar und freue mich, dass ich sowas erleben darf. Aber jedes Gefühl kommt und geht wieder, man kann es nicht konservieren, man kann in Erinnerung schwelgen und sich später daran erfreuen und vielleicht huscht dir ein Schmunzeln über das Gesicht und bist einfach dankbar für diese wunderschönen Emotionen. Sie sind da sie zu genießen, zu erleben, aber nicht zum Festhalten.

    Teil 2 folgt
    Was stellst du auch so viele Fragen;)
     
  6. marie

    marie Aktives Mitglied

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    Teil 2

    Ich stimme dir zu, diese ganzen verhaltensbiologischen Erklärungen klingen für mich ebenso plausibel. Bevor ich hier aufschlug, hatte ich keinen blasen Schimmer. Die Erklärungen hier sind für mich schlüssig, auch wenn ich manchmal echt zu doof bin, dass alles umzusetzen.

    Ich halte es nicht für einen Widerspruch, dass romantische Liebe sich mit einer langjährigen Beziehung ausschließt. Natürlich ist es nach Jahren eben nicht mehr so aufregend und kribbelig. Du hängst nicht mehr tagelang im Kleiderschrank.;) Du gerätst nicht mehr so in Entzücken, wenn er dich berührt. Denn er hat es in den Jahren schon 1000 mal getan.

    Ich sehe das einfach als Gewöhnung. Eine neue Phase beginnt. Das Leben ist Veränderung. Und auch diese Phase hat was sehr Schönes. Im besten Fall, Zusammengehörigkeitsgefühl, Vertrauen, Verlässlichkeit, Unterstützung, Hilfsbereitschaft, füreinander dasein, Sorgen teilen, Spaß haben und und und. Wie du sagst, eben andere Werte. Diese Werte sind für mich sehr wichtig und gehören m.E. dazu, was eine gute und langjährige Beziehung ausmacht.

    Ich finde es auch total schön, wenn ich mich ungeschminkt, mit labbriger Jogginghose, Haare zerzaust in Puschen mich in den Armen meines Partners schmeißen kann und weiß er ist für mich da. Das Leben ist ja leider Gottes nicht nur Spaß, es gibt Höhen und Tiefen im Leben, Herausforderungen und da ist mir ein verlässlicher Partner an der Seite sehr wichtig, auch wenn ich ihm am liebsten umbringen möchte, weil er wieder den Klodeckel oben gelassen hat, obwohl ich es ihm 27.000 mal schon gesagt habe.

    Ich denke das Geheimnis ist einfach Akzeptanz. Es ist wie es ist. Und ich finde erst NACH der Verliebtheitsphase, wo sich jeder von der Schokoladenseite präsentiert, merkt man erst, ob man wirklich zusammen passt.

    Aber wer weiß, es gibt ja bekanntlich noch den 2. Frühling in einer langjährigen Partnerschaft.

    Jetzt noch Teil 3...
     
  7. marie

    marie Aktives Mitglied

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    Ich gehe natürlich fremd! Du kennst doch sicherlich den Spruch "Jede Frau hat ihr Geheimnis". Ich würde das für mich behalten, denn ich würde nicht wollen, dass mein langjähriger Partner davon Wind bekommt. Dann wäre ein Bruch da, Verletztheit und Misstrauen. Das hätte in deinem Beispiel der langjährige Partner m.E. nicht verdient. Ich würde das mit mir abmachen und a la Gentleman "ich genieße und schweige". Ich würde es andersrum auch nicht wissen wollen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Ich hätte sogar ein wenig Verständnis, wenn ein Partner mal ausbricht. Allerdings erst seitdem ich das Wissen von dieser Seite habe. Zugegeben, wenn es mich beträfe würde ich ausflippen.

    Aber ob ich mich trennen würde, wenn sonst alles stimmt? Sehr schwere Frage!
    Aus schi schi und rosaroten Wolken würde ich mich sicherlich nicht einfach so trennen, da ich weiß, auch mit dem Neuen wird nach der Anfangsphase der Alltagstrott kommen. Und erst dann bewahrheitet sich eine Beziehung.

    Ich wäre zu egoistisch weder auf das Eine, noch auf das Andere zu verzichten. ich würde eine ganze Weile zweigleisig fahren und dann das Beste für mich heraussuchen.

    Man, bin ich mies, das war ne scheiß Frage@QuestiionMark...Was würdest du tun?
     
  8. marie

    marie Aktives Mitglied

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    Wie geht das genau, sich gegenseitige bzw. gemeinsame Abhängigkeiten zu schaffen??? Ich steh gerade auf den Schlauch.
    Kannst du Beispiele mal bitte geben, Dan?
     
  9. QuestionMark

    QuestionMark Aktives Mitglied

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    Ehe, Kinder, Haus, ausschließlich gemeinsame Freunde, keine eigenen Hobbys etc. Wenn dich eine Trennung z.B. finanziell ruinieren würde, dann überlegst du es dir nochmal ;)
     
  10. QuestionMark

    QuestionMark Aktives Mitglied

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    Tja das ist nicht so einfach. Ich bin nicht der Typ zum fremdgehen. Ich könnte es wohl nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich hätte auch Angst vor mir selber, da ich es ihr früher oder später erzählen müsste. Zumindest ist es der aktuelle Stand. Vielleicht denke ich mir später auch, wenn mir meine eigene Vergänglichkeit mehr und mehr bewusst wird "drauf geschissen, ich mach es einfach, man lebt nur einmal, ist ja nicht böse gemeint." Keine Ahnung.

    Wahrscheinlich würde ich aber die bittere Pille schlucken und auf erneute schöne Gefühle verzichten und in der Beziehung bleiben. Vermutlich würde sich das dann aber negativ auf die Beziehung auswirken. Eventuell würde ich es der Partnerin spüren lassen, dass ich teilweise unzufrieden bin (wofür sie ja eigentlich nix kann) und dann steht die Beziehung auf der Kippe.

    So war es bisher jedenfalls immer mehr oder weniger ;) Das blöde ist nur, wenn die Beziehung dann nach langem hin und her in die Brüche geht, dass man sich nicht freut und sich ins Abenteuer stürzt, sondern sich eher das alte zurück wünscht.

    Naja diese Miseren lassen mich immer an der romantischen Liebe zweifeln. Es gibt da irgendwie keinen vernünftigen langfristigen Weg. Die gängiste Praxis ist aktuell wohl, dass beide fremdgehen, dem anderen aber nix erzählen. Erlaubtes fremdgehen (offene Beziehung) möchte im Endeffekt dann ja doch keiner. Gibt es zwar, aber eher selten. Eine Alternative sind noch 2 unzufriedene Menschen, die sich in starkem Verzicht üben. Klingt alles nicht so toll finde ich :)
     
  11. Delia77

    Delia77 Aktives Mitglied

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    Herrlich, ich habe mich zufällig gerade in diesen etwas älteren Thread eingelesen und muss sagen, die Beschreibung von Marie war Bombe! Genau so läuft das ab, wenn wir verliebt sind und erobert werden wollen. Inklusiv shopping Tour, Sekt, baden, cremen, gut riechen, sexy aussehen, alles neu kaufen .....ich liebe diese Beschreibung

    Vielleicht ist es gerade auch darum so schön verliebt zu sein?

    Dieser Thread war auf jedenfall ein super Denkanstoss....Danke hierfür an QuestionMark

    Ich denke die Wurzel von allem liegt daran, dass wir uns von auferlegten Normen befreien müssen. Optimal wäre dazu einen Partner zu haben, der ebenso befreit ist. Dann müsste man sich die ganzen Fragen garnicht mehr stellen. WIR, dass sind Du und ich. 2 eigenständige Menschen die FREIWILLIG 1 Paar werden und dennoch ihren eigen Weg gehen müssen und gehen dürfen sollten.....

    Ich weiss, einfacher gesagt als getan.

    Liebe ist im Grunde frei. Auch die romantische Liebe. Romantische Liebe muss nicht monogam sein.
     
  12. PhilippX

    PhilippX Aktives Mitglied

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    Wer sagt das?
    Sorry für die kritische Frage, aber die Aussage ist mir zu totalitär. Ich kann verstehen, dass deine Euphorie deinem neuen AM geschuldet ist und den damit verbundenen Hormonen, allerdings würde ich empfehlen, erst einmal die "Liebe ohne feste Bindung" ein paar Jahre zu leben und dann ein Fazit zu ziehen. Ich sage dies deshalb, weil ich ein paar Frauen kannte, die ebenso diesen Standpunkt vertreten haben, aber wenn dann der männliche Kontakt selber weitere Damen am Start hatte und sein Zeitarrangement neu aufteilen musste, dass diese Frauen plötzlich doch ihre Krallen ausfuhren und Besitzansprüche geltend machten.

    Statt Absolutheitsansprüchen würde ich eher demütiger von Modellen sprechen: Monogamie, Polygamie, whatever. Das monogame Modell hat genauso seine Existenzberechtigung wie die anderen. Jeder muss schauen, mit welchem er am besten zurecht kommt, ob er es leben kann, und damit meine ich nicht nur ein paar Monate, ein paar Jahre, sondern länger.

    Muss nicht, kann aber.

    Auch hier erlaube ich mir eine kritische Anmerkung. Es genügt nicht, dass nur ein Part in der Beziehung diese Freiheit proklamiert, der andere Partner muss eingeweiht sein und ebenso sein okay geben. Solange letzteres nicht geschieht, ist das Statement der bindungslosen Freiheit mutlos und dient mehr dazu, sich als Erkenntnisträgerin zu sehen (Heureka-Moment), wodurch man sich zugleich die Legitimation gibt, eben eine Affäre einzugehen. Aber im Fall einer Affäre bleibt es Geheimnistuerei, Betrug, Lüge oder wie auch immer man es nennen will. Erst durch das Einweihung und das Einverständnis des Partners, das Beziehungsmodell auf Polyamorie zu wechseln und dieses mit all seinen ganz eigenen Anstrengungen und Problemen zu leben, kann man von der freien romantischen Liebe sprechen.

    Das war nun alles sehr kritisch, aber nicht angreifend gemeint, sondern ein Statement meinerseits.
     
  13. Mod Clara

    Mod Clara Moderator

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    Das sehe ich bzw. habe genau das, in meinem Umfeld erlebt.

    Liebe Delia,
    das ist eine sehr schöne Theorie die du da beschreibst die auch in der Praxis gut funktionieren kann - wenn beide Parteien dieses auch so leben können und nicht die "große Liebe" ins Spiel kommt. Sobald diese ins Spiel kommt, neigen gerade Frauen dazu, es nicht zu tolerieren, wenn es noch andere Damen gibt. Im Affairenforum liest man es oft - Frau geht bewusst eine Affaire ein, mit der Zeit ist die EF ein Dorn im Auge und um "Himmels Willen" wäre es schrecklich, wenn er nich mit der EF Sex hat (haben die meisten AMs, geben es nur nicht zu)

    Es gibt viele Formen der Liebe und auch der Partnerschaften - wichtig finde ich persönlich, herauszufinden, was einem persönlich am besten gefällt - dieses darf und wird sich im Laufe des Lebens auch höchstwahrscheinlich öfter ändern.

    Ich habe selber noch nie einen Partner betrogen, sobald ich gemerkt habe, ich finde andere Männer mehr als anziehend - habe ich mich getrennt. Trotz Kinder, trotz Haus- um meiner und seiner seelischen Gesundheit zu Liebe.

    Auf der anderen Seite bin ich Geliebte. Für mich ist das ein Gefühl der Freiheit. Ich darf schöne Momente genießen, mit einem Menschen den man sehr gern hat und die andere Zeit, darf ich voll und ganz in mein Leben eintauchen - ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Nur hat auch dieses Leben, ein Ablaufdatum, irgendwann werde ich mich wieder aufrichtig verlieben - und da will ich mich, noch ich ihn teilen.

    Ich denke wir sollten immer auch das "große Ganze" im Blick haben. Wenn eine Partnerschaft bzw. Ehe nicht mehr in mehreren Bereichen funktioniert, sollte darüber gesprochen werden und evtl. auch an eine Trennung gedacht werden. Vergebene Menschen, die immer nach neuen Affären Ausschau halten, sind m.E. auf der Flucht sowie auf der Suche (nach sich selbst). Sie überdecken meistens Schmerz, Trauer und Einsamkeit. Ich war auch fast zwei Jahre auf der innerlichen Flucht vor mir selber, vor Entscheidungen und auch blinden Flecken und habe mich in viele Abenteuer gestürzt - bis ich gemerkt habe, es holt mich immer wieder ein und wirft mich auf mich zurück - und darum geht es - um unser Seelenheil, um das was uns glücklich macht und dieses wiederum finden wir in der Stille, ohne Ablenkungen etc.

    Alles Liebe dir.